Erzeugerpreise: Geldgeschenke an Bauern helfe...
Erzeugerpreise

Geldgeschenke an Bauern helfen der Fleischwirtschaft nicht

FRANKFURT Die Preise für Fleisch erzürnen einmal mehr die Gemüter der Republik – der einen Anspruchsgruppe sind sie zu hoch, der anderen zu niedrig. Und wie immer sind günstige Beschaffungskosten für Besteller besser als für Lieferanten.

Nun wird also wieder heftig um faire Konditionen gestritten. Während die Bauern mal so richtig medienwirksam auf den Putz klopfen, lenken Teile des Handels ein. Wie aufrichtig die Ankündigungen der Aldi-Gruppe sowie die von Lidl, Kaufland und Rewe sind, bleibt dagegen abzuwarten.


Am dritten Advent flatterten aufmerksamen Leserinnen und Lesern der Sonntagszeitungen großformatige Anzeigen von Wohltätern entgegen. Nun weiß die Öffentlichkeit, dass Lidl seinen Beschäftigten mehr als den Mindestlohn zahlt, Aldi für seine Servicequalität zum siebten Mal ausgezeichnet wurde und Amazon geflohenen Menschen eine Perspektive bietet. Klingt in diesen Tagen fast wie eine Weihnachtsgeschichte. Dabei könnte man über Service im SB-Laden ebenso separat diskutieren wie über Tariflöhne im Onlinehandel. Auf der Strecke bleibt dabei, was bei den Mitarbeitenden ankommt. Vor allem aber befinden sich zwischen den Erzeugern am Anfang der Kette und den Vermarktern am anderen Ende weitere Veredelungsstufen. Wie steht es um die Arbeitsbedingungen am Schlachtband, in der Zerlegung, in der Wurstküche, in der Verpackung und am SB-Regal? Die Ansprüche an die Tierhaltung haben Gesellschaft, NGOs und Politik formuliert. Wie steht es aber um die Wertschätzung derjenigen, die unsere Mittel zum Leben herstellen? Welche Einflussfaktoren sind nun zu berücksichtigen in der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken?

Es greift zu kurz, wenn der Lebensmitteleinzelhandel nun Abgaben direkt an die Landwirte durchreichen möchte. Agrar- und Fleischwirtschaft benötigen eine neue Kalkulation. Idealerweise arbeiten beide Sektoren mit dem Handel an nachhaltigen Geschäftsmodellen, damit Verwerfungen an den Märkten künftig ausbleiben.

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Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 51/2020
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