Fleischerbilanz: Trends gezielt aufgreifen un...
Fleischerbilanz

Trends gezielt aufgreifen und clever bedienen

FRANKFURT Die Zeichen der Zeit stehen für das Fleischerhandwerk in Deutschland gut. Lange waren die Voraussetzungen für erfolgreiche Geschäfte nicht so optimal, wie dies gegenwärtig der Fall ist.

Die gesellschaftlichen Diskussionen um die Ernährung – die richtige, die gesunde oder auch die bewusste – spielen den Meistern im ganzen Land in die Hände. Tierschutz und Tierwohl sind daneben bei der Einkaufsentscheidung immer wichtigere Faktoren, mit denen die Fachgeschäfte die Sympathien der Käufer gewinnen. Und neue Kunden begeistern können. Den Metzgern schreiben die Verbraucher hier ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit zu. Die fleischerhandwerklichen Betriebe sollten aber noch mehr Druck aufbauen. Dass das Thema momentan an Fahrt gewinnt, liegt an den Strategien der Discounter. Schalten Sie sich hier ein und überlassen Sie das Feld nicht den Großschlachtern und Händlern, denn Sie kennen sowohl den Landwirt vor Ort und die Haltungsbedingungen von Rindern und Schweinen. Falls nicht, wird es höchste Zeit. Im Zusammenspiel von Bauern und Fleischern, Rohstoff und Produkten liegen die Verkaufsargumente, um kritische Verbraucher als bewusste Kunden für das Fachgeschäft zu gewinnen. Marketingstrategen sehen hier einen Fundus an Ideen für Vermarktungskampagnen.


Und dann ist da noch der Megatrend der Regionalität. Dem muss das Fleischerhandwerk nicht erst nacheifern. Im Gegenteil: Es lebt seit jeher regionale Wirtschaftskreisläufe. Die handwerklichen Erzeugnisse aus der Heimat kommen beim Verbraucher an. Davon kann sich jeder – wenn es im eigenen Laden nicht brummt – auf Wochenmärkten überzeugen. Die Erzeugermärkte bedienen die Sehnsucht der Kunden nach landwirtschaftlicher Idylle und handwerklicher Herstellung von Lebensmitteln. Streetfood-Konzepte und Markthallen greifen diesen Verkaufstrend auf. Dabei sind Wagen und Stände so konzipiert, dass ein Blick hinter die Kulissen möglich ist. Alles ist transparent, denn Misstrauen entsteht durch versteckte Ecken. Die gläserne Manufaktur schafft Vertrauen. Deshalb ist es richtig und clever zugleich, dass inzwischen viele Fleischermeister für die Kunden Zerlege-, Grill-, Koch- und Wurstseminare anbieten.

Zu den Trends der Zeit gehört eben auch das Einkaufserlebnis. Neben einer Beratung ist das die Inszenierung der selbst hergestellten Waren, bequeme Angebote sowie eine zeitgemäße und ansprechende Einrichtung. Über das Convenience-Angebot können noch viele Fleischer nachdenken: fix und fertige Cäsar-Salate, Roastbeef-Teller und vieles mehr. Bieten Sie Gerichte an, die die Kunden nicht beherrschen. Hier steckt noch eine Menge Potenzial drin, weil die Kenntnisse ums Kochen dramatisch abnehmen. Gut geschulte Servicekräfte, die auch mal mit Chefin oder Chef kochen, werden an der Theke noch besser beraten.

Wer – wie das Fleischerhandwerk – täglich bis zu sieben Millionen Menschen bedient, muss sich nur überlegen, was König Kunde passenderweise noch gut gebrauchen kann. Das sind beispielsweise Imbiss- und Snackangebote. DFV-Präsident Heinz-Werner Süss hat Recht, wenn er sagt, da ist noch richtig Luft nach oben. Die Aussage kann die afz mit ihren Erhebungen zum afz-Barometer nur untermauern. Werden Sie aktiv! Überlegen Sie, auch mit Ihrem Team, welche Bedürfnisse bei Ihren Kunden oder den Menschen, die an Ihrem Laden bisher vorbeilaufen, noch geweckt werden können.

Bei aller Strukturbereinigung läuft es für die Fleischer gerade gut. Mit fast 22.099 Verkaufsstellen und 5.000 Verkaufsmobilen ist das Fleischerhandwerk eine Macht. Hätten Sie das gedacht? Dagegen bringen es die vier großen Discounter Aldi, Lidl, Netto und Penny zusammen auf nur 14.430 Filialen. Wer ist aber präsenter? Diskutieren Sie nicht die allseits bekannte und vertraute Fleischerraute. Zeigen Sie Flagge, zeigen Sie die f-Marke.

Lesen Sie dazu auch den Artikel "Sieben Millionen Kunden täglich" von Sandra Sieler.

Quelle: afz 7/2016
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