Fleischerhandwerk: Gelebtes Leitbild schärft ...
Fleischerhandwerk

Gelebtes Leitbild schärft das Profil

FRANKFURT Ein Leitbild funktioniert wie ein Kompass. Es bietet Orientierung, zeigt die Richtung an, in die man sich fortbewegen möchte. Das kann für einen einzelnen ebenso gelten wie für eine ganze Gruppe.

Das Fleischerhandwerk hat seinen Kompass vor acht Jahren in einem aufwendigen Prozess ausgerichtet und das Selbstverständnis seiner Branche zu Papier gebracht. Dabei wurden die Ziele nicht im stillen Kämmerlein erarbeitet und den Fleischern einfach übergestülpt, sie kamen aus dem handwerklichen Herz heraus. Die Meister selbst waren an der Entstehung des Gebildes beteiligt. Eine ganze Reihe von Beispielbetrieben war in den langen und intensiven Prozess der Leitbild-Formulierung eingebunden. Ganz unterschiedliche Unternehmen und Personen brachten damit ihre Vorstellungen und Wünsche ein. Diese wurden am Ende in ein Fundament an Zielvorstellungen gegossen, von dem aus jedes Fleischer-Fachgeschäft seinen Profilierungsweg starten kann.


„Unser Streben: In allem Handeln kooperativ und kommunikativ, geleitet von Respekt und Verantwortung“, heißt es in dem Leitbild beispielsweise. Dieser Anspruch könnte aktueller nicht sein. Denken wir an die Herausforderungen der heutigen Zeit. Tierschutz ist selbstverständlich, Tierwohl ein hohes Gut. Auch der partnerschaftliche Umgang mit den Landwirten – den Lieferanten des wichtigsten Rohstoffs – ist heute ein bedeutender Teil der Unternehmensphilosophie im Fleischerhandwerk.

Es war gut, sich beizeiten mit diesen Themen auseinanderzusetzen und so schon Antworten parat zu haben, bevor die Gesellschaft und die Medien laut darüber gesprochen haben und ihre Fragen offen an das Fleischerhandwerk richteten. Mit den bereits formulierten Leitsätzen als Basis fiel es um einiges leichter, Stellung zu den Anforderungen der Zeit zu beziehen und die eine oder andere Strömung auch mal kritisch zu bewerten. Das schärft das eigene Profil und grenzt klar von den anderen ab.

Die Richtung, für die man sich vor acht Jahren entschied, war also die richtige. Der Kompass funktioniert. Dennoch muss die Nadel von Zeit zu Zeit neu justiert werden: Stimmt unsere Richtung noch? Und wenn ja: Wie können wir unsere Ziele noch besser erreichen? Diese Fragen stellten sich die Leitbildbetriebe bei ihrem jüngsten Treffen im bayerischen Glonn. Handlungsbedarf machten sie dabei bei den Maßnahmen aus, mit denen man dem gemeinschaftlichen Ziel näher kommen will. Die Leitlinien müssen präziser werden. Denn auch das war eine wichtige Erkenntnis des Treffens: Noch zu wenige Mitgliedsbetriebe fühlen sich von dem Branchenleitbild angesprochen, nutzen es aktiv zur eigenen Profilierung. Da wünschen sich die Beteiligten zu Recht eine flächendeckende Bewegung unter den Kollegen.

Das Branchenleitbild kann der einzelne Fleischer einfach übernehmen und anwenden. Er kann und sollte es aber auch weiterentwickeln zur Richtschnur seines eigenen unternehmerischen Handelns. Das macht Stärken und Schwächen bewusst, gibt den eigenen Überlegungen und Entscheidungen Orientierung, ebenso wie den Beschäftigten. Auch die Kunden, die ihre Lebensmittel und die Einkaufsorte immer bewusster auswählen, erkennen so auf Anhieb die Grundprinzipien, an der sich die Metzgerei ausrichtet. Kann ich mich damit leicht identifizieren, fällt die Kaufentscheidung leichter und erzeugt zudem ein gutes Bauchgefühl beim Kunden.

Die Marschrichtung ist also ausgewählt, der Kompass justiert. Nur bewegen muss sich jeder noch selbst und das Leitbild mit Leben und den eigenen Gedanken füllen. Macht sich das Fleischerhandwerk in seiner Gesamtheit auf den Weg in die selbe Richtung, verstärkt es die Wahrnehmung und die Außenwirkung der Werte, denen sich seine Betriebe verpflichtet fühlen. Diese gelebten Werte des Handwerks sind die schärfste Waffe in der Schlacht um den Kunden mit Supermärkten und dem Discount.

Lesen Sie auch den Leitartikel "Leitbild fühlt den Puls der Zeit".

Quelle: afz 12/2016
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