Fleischerhandwerk: Mit Selbstbewusstsein und ...
Fleischerhandwerk

Mit Selbstbewusstsein und Disziplin zum Ziel

FRANKFURT Eine starke Gemeinschaft kann etwas Großes bewegen. Davon zeugte der Deutsche Fleischer-Verbandstag, der zahlreiche Metzgermeister aus allen Landesteilen nach Bremen zog.

Nicht ohne Stolz berichtete Präsident Heinz-Werner Süss über gute Umsätze, eine befriedigende Ertragslage und ein ausgeprägtes Investitionsklima.



„Ein stolzes Handwerk“ lautete das Verbandstagsmotto im Jahr 2012. Seinerzeit hatte sich das Präsidium des Deutschen Fleischer-Verbands das Ziel gesetzt, die politische und öffentliche Schlagkraft des Verbands weiter zu stärken und gleichzeitig die Unterstützungsangebote für die Mitglieder auszubauen. Drei Jahre später liefert der Bundesverband die Ergebnisse. Diese Strategie ist für alle 13.559 fleischerhandwerklichen Unternehmen und die 9.150 angeschlossenen Verkaufsstellen ein Erfolg. Der Kurs fördert und stärkt die Mitglieder, wenn jeder Einzelne bereit ist, seinen Teil für die große Solidargemeinschaft beizutragen.

Die Branche befindet sich mittendrin in einem Konzentrationsprozess, bei dem niemand weiß, wann er abgeschlossen sein wird. Genau deshalb ist es für die Berufsorganisation wichtig auf allen Stufen zusammenzuhalten: vor Ort in den Innungen wie auch in den Landesverbänden und bei der Zentrale in Frankfurt. Das gewählte Tagungsmotto – gemeinsam am Ziel zu arbeiten – stiftet geradezu an, am Engagement nicht nachzulassen. Der Leitspruch drückt ebenso aus, dass in Eintracht mehr erreicht werden kann, als in Zwietracht.
Der Zusammenhalt einer starken Gemeinschaft ist besonders wichtig vor dem Hintergrund der Entwicklung gesellschaftlicher Themen. Dabei ist es egal, ob es um die Kette der Fleischwirtschaft – von der Erzeugung, Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung – in der öffentlichen Debatte geht oder um veränderte Ernährungsmuster und gewöhnungsbedürftiges Verbraucherverhalten. Gastgeber Herbert Dohrmann ruft seine Kollegen zu Recht auf, zu äußern, was den Meistern nicht gefällt. Das kann auch ins Gegenteil verkehrt werden, in dem die große Familie der Fleischer mit ihren insgesamt 143.070 Beschäftigten gute Stimmung für das wertvolle Lebensmittel Fleisch macht.

Gleichwohl muss das Fleischerhandwerk eine Antwort zum Tierwohl parat haben. Das in der Hansestadt demonstrierte Zusammenrücken von Bauern und Metzgern ist richtig. Beide Partner sind aufeinander angewiesen und dann besonders erfolgreich, wenn Aufzucht, Mast und Haltung nicht nur dem Tierschutz, sondern auch dem Tierwohl gerecht werden. Die Fleischer haben beste Chancen, durch ihre lokale Verwurzelung die regionale Rohstoffsicherung voranzutreiben und Allianzen mit der Landwirtschaft zu schmieden. Das ist vielerorts immer häufiger der Fall und trifft in den Reihen der Verbraucher auf Wohlgefallen. Deshalb ist es einerseits nachvollziehbar, sich der großen Brancheninitiative Tierwohl nicht anzuschließen. Andererseits fordert genau das Verbraucher- und Tierschützer heraus. Deshalb ist es umso wichtiger, dass der Deutsche Fleischer-Verband seine Mitglieder hierfür rüstet. Der Metzger vor Ort muss ebenso wie der Landwirt auf die Überprüfung seiner Angaben zu gesunden und glücklichen Tieren gewappnet sein.

Wer Lust auf Fleisch macht und Genuss inszeniert, profitiert sogar doppelt: Wenn das Ansehen für das Mittel zum Leben steigt, dürfte sich auch die Bewerberlage von Auszubildenden und Fachkräften verbessern. Hier berichtete das Präsidium vom erfolgreichen Einsatz der im letzten Jahr neu aufgesetzten Nachwuchskampagne „Anders als du denkst“. Diese Arbeit trägt erste Früchte und verlangt in den Reihen der Fleischer noch viel Geduld. Die Veränderung eines Images und Berufsbilds in der öffentlichen Wahrnehmung ist eine Herkulesaufgabe, bei der alle Tasten der Marketingklaviatur gespielt werden müssen. Der Einsatz lohnt sich.

Quelle: afz 42/2015
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