Fleischkonsum: Veränderungen bieten viele Cha...
Jörg Schiffeler
Fleischkonsum

Veränderungen bieten viele Chancen

Freitag, 26. August 2016

FRANKFURT Die Deutschen essen weniger und bewusster Fleisch, dennoch steigt die Erzeugung ganz ordentlich und der Außer-Haus-Markt glänzt mit neuen Rekorden. Wie passt das zusammen?

Seit dem Jahr 2011 nimmt der Fleischverzehr ab. Der Pro-Kopf-Konsum sank in den letzten fünf Jahren um fast drei Kilogramm. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Bevölkerungszahl um knapp zwei Prozent. Währenddessen wächst der Anteil ausländischer Mitbürger mit anderen Konsummustern. Zuvor – betrachtet bis 1999 – stagnierte der Appetit auf Fleisch und pendelte zwischen 63,3 und 59,4 Kilo hin und her. So betrachtet hat der Konsum sogar leicht zugenommen.


In der Tat verändern sich die Verzehrgewohnheiten. Die vegetarische Ernährung oder weitere Alternativen liegen im Trend. Aber auf eins ist Verlass: Nahezu alle Haushalte, und das sind laut GfK 99 Prozent, kaufen Wurst, 97 Prozent Fleisch ein. Verschiebungen sind zwischen den Fleischarten zu beobachten. Danach steigt Geflügel in der Gunst der Bürger weiter auf nun 11,7 Kilo pro Kopf und Jahr. Dieser Anstieg geht zu Lasten von Schweinefleisch. Während Putenbrust und Hähnchenkeule in vielen Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung, also Betriebscasinos, Schulmensen und weiteren Großküchen deutlich vor Schweinebraten rangieren, bleibt der Verzehr von Rindfleisch nahezu konstant. Er legt minimal um 100 Gramm zum Vorjahr zu.Dennoch bieten Qualitäten vom Rind viel Potenzial. Viele Erzeuger, Händler und Metzger erkennen den Wunsch vieler Verbraucher nach ausgewiesener Herkunft, Aufzucht sowie gereiften Edelteilen. Auch Deutschlands größter Fleischkonzern glaubt an dieses Geschäft und plant sowohl den Ausbau als auch die Erweiterung von Kapazitäten. Bestes Rindfleisch muss nicht von Übersee importiert werden, wenn hierzulande in die Erzeugung und Verarbeitung investiert wird. Davon sind hierzulande immer mehr Marktteilnehmer überzeugt.

Im Segment Schwein gelang dies in den vergangenen beiden Dekaden erfolgreich. Landwirte sowie Schlachter und Zerleger stellten sich neu auf. Die Branche gehört zu den modernsten Lebensmittelherstellern, die ihre Produkte auf den Heimat- und den Exportmärkten platzieren können. Mit der konsequenten Innovation in Zucht, Mast, Stalltechnik sowie einer automatisierter Weiterverarbeitung am Schlachtband, in Zerlegung und Verpackung ist die deutsche Fleischwirtschaft wettbewerbsfähig – im Inland wie im Ausland.

Weil unser Wirtschaftssystem auf Wachstum baut, ist es nur logisch, den Bereich Lebensmittel nicht aus den Exportgütern der Bundesrepublik auszuklammern. Was in Deutschland produziert wird, können die Bürger nicht alleine verbrauchen – auch wenn die Bevölkerungszahl weiter zunimmt.

Die Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln bringt vielen Menschen Wohlstand in unserem Land, gerade in ländlichen Regionen. Dabei ist es nachrangig, ob es sich hierbei um Großkonzerne oder um viele fleischerhandwerkliche Betriebe handelt, die Beschäftigung garantieren. Deren Wirtschaftsleistung ist enorm und verdient größte Beachtung. Sie sollte vor allem auch zu mehr gesellschaftlichem Ansehen führen.

Denn das sogenannte gute Essen verfügt über einen hohen Stellenwert. Es ist das Idealbild, das aus der verschwundenen, aber vielfach zitierten und verklärten Bauernhof-Idylle entspringt. Auch wenn – trotz TV-Sendungen und Grill-Hype – die Deutschen immer weniger vom Kochen verstehen, so wünschen sie sich Speisen, mit denen sie sich sehen lassen können. Und das gilt ganz stark für den Besuch von Streetfood-Events, Burger- und Grillbars und Steakrestaurants. Das Wachstum in diesem Segment ist möglich, weil der breite Wohlstand diese Ausgaben erlaubt. Sie müssen von den Unternehmern nur clever abgeholt werden.

Quelle: afz 34/2016
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