Fleischwirtschaft: Gesicht zeigen und Themen ...
Jörg Schiffeler
Fleischwirtschaft

Gesicht zeigen und Themen besetzen

Dienstag, 05. Mai 2015

FRANKFURT Die Fleischwirtschaft kämpft an vielen Fronten: Sie wird von Politikern und Verbrauchern in die Zwinge genommen, dazu übt der Handel weiteren Druck aus.

Die Unternehmen der Schlacht- und Zerlegeindustrie sowie der Verarbeitungsstufe kommen aus der Klemme zwischen idyllischen Vorstellungen zur Tierhaltung und dem Regelwahn nicht heraus.



Der Fleischsektor kämpft in der Gesellschaft um mehr Akzeptanz, ist dabei gefangen zwischen Selbstverständnis und Außenwahrnehmung und tritt im Zweifelsfall nicht in Erscheinung.

Es sollte den Branchenverbänden gelingen, die Fragen der Zeit wie Ethik und Moral für Mensch und Tier sowie veränderte Ernährungsgewohnheiten und Verbraucherwünsche zu beantworten. Wofür stehen die beiden Verbände BVDF und VDF? Wie werden diese Werte außerhalb von Fachkreisen kommuniziert? Wer widerspricht selbst ernannten Verbraucherschützern oder wertet Zahlen zum Fleisch- und Wurstkonsum aus?

Glaubt man der öffentlichen Debatte, so könnte man dem Eindruck erliegen, dass Deutschland ein Land von Vegetariern und Veganern wird. Die Wahrheit ist eine andere: 97 Prozent der Bundesbürger kaufen Fleisch und fast alle Wurst ein. Das ergibt sich nicht nur aus dem GfK-Haushaltspanel, sondern zeigt sich beispielsweise auf Wochenmärkten, wo die Händler Bulette, Fleischkäse oder Bratwurst und Grillsteak erfolgreich verkaufen.

Der Rohstoff Fleisch muss noch eine ganz andere Herausforderung meistern, denn – das ist politischer Konsens – er muss überall und für jedermann verfügbar sein und darf nicht zum elitären Produkt werden. Deshalb müssen Fleisch und Wurst erschwinglich bleiben. Für den Handel ist dieses Frischesortiment noch immer der beste Lockvogel, um Kunden für einen Einkauf zu gewinnen.

Das passt nicht zur Stimmung im Land und ist für die Fleischwirtschaft ein Alarmsignal. Viele Ansatzpunkte, um klare Positionen zu beziehen. Denn mehr Tierwohl, bessere Arbeitsverhältnisse und höhere Qualitäten haben ihren Preis.

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