Geschäftsentwicklung: Kreativität und Inszeni...
Jörg Schiffeler
Geschäftsentwicklung

Kreativität und Inszenierung sichern den eigenen Betrieb

Dienstag, 20. Februar 2018

FRANKFURT Die Jahresbilanz der Metzger kann sich sehen lassen. Seit mehr als zehn Jahren verbuchen die fleischerhandwerklichen Betriebe Umsatzzuwächse. Doch nicht jedes Plus steigert die Rendite.

Wie bitter nötig die Kundenakquise ist, zeigte in der vergangenen Woche die wohl beschlossene Schließung des Kasseler Schlachthofs. Neben einer ausreichenden Anzahl an Aufträgen muss immer auch die Kostenstruktur stimmen, damit am Ende des Wirtschaftsjahres auch ein positives Ergebnis steht. Wie sonst sind notwendige Investitionen zu stemmen?


Die Stimmung unter den Fleischern ist nicht allerorten ungetrübt. Wenn auch die durchschnittlichen Umsätze erneut zulegen, entspricht dieser Zuwachs unter dem Strich dem Preisanstieg bei Fleisch, Fleischwaren und Wurst. Dazu passt die Meldung des Statistischen Bundesamts, dass Nahrungsmittel derzeit ein Inflationstreiber bleiben.

Der Fleischsektor insgesamt muss in Deutschland mit steigenden Kosten für Rohstoffe, Energie, Abgaben und Steuern sowie Personal zurechtkommen. Preistreibend auf die Notierung von Schlachtschweinen wird sich auch künftig die Umsetzung von mehr Tierwohl in den Ställen auswirken. Viele dieser Kosten lassen sich nicht eins zu eins durchreichen. Zum einen, weil der Lebensmittelhandel genau auf seine Kalkulationen schielt und zum anderen, weil der Kunde – trotz aller Umfragen – preissensibel bleiben wird. Die Branche ist auf ein Ergebniswachstum angewiesen. Investitionen rund um den Tierschutz bei der Schlachtung, Technologie im Produktionsprozess, im IT-Bereich sowie im Recruiting lassen sich sonst nicht stemmen. Sie sind unumgänglich, damit sich die Geschäfte auch künftig positiv entwickeln. Tierwohl, qualitativ hochwertige Produkte und Fachkräfte werden zum Entscheidungskriterium beim Einkauf.

Deshalb müssen Schlachter und Zerleger, Verarbeiter und Fleischerhandwerk an weiteren Strategien zur Geschäftsentwicklung arbeiten. Die Meisterbetriebe verteidigen im ganzen Land eine starke Position. Im Wettbewerb mit dem Lebensmittelhandel und dem wachsenden Online-Geschäft dürfen die Metzger stolz darauf sein, weiterhin stark im Markt präsent zu sein.

Nur ein kleiner Vergleich dazu: Den rund 14.300 Filialen der vier großen Discounter Aldi, Lidl, Netto und Penny stehen 21.300 Fleischer-Fachgeschäfte (Betriebe zuzüglich Filialen) gegenüber. Die mobilen Verkaufseinheiten sind dabei noch nicht einmal mitgezählt. Die Wahrnehmung ist leider eine andere. Und das muss sich ändern.
Wer nur auf die Konzentration und die Konsolidierung der Branche verweist, schaut unwillkürlich zurück und trägt nicht zum Wachstum bei. Der Blick muss nach vorn gerichtet sein. Was geht am Markt, was braucht der Kunde und was benötigt „mein Betrieb“ für die Umsetzung, sollten die Fragen auf der Agenda sein.

Wer nach einer Blaupause für ein gutes Konzept sucht, wird keins finden. Viel zu verschieden sind die fleischerhandwerklichen Betriebe aufgestellt. Mit unserer afz stellen wir Ihnen immer wieder Erfolgsbeispiele vor, denn das Rad muss nicht neu erfunden werden. So möchten wir unseren Lesern Anstöße und Ideen geben.

Dass der Außer-Haus-Markt boomt und die Bürger immer öfter unterwegs snacken, ist so ein Megatrend, mit dem sich die Fleischer auseinandersetzen müssen. Das kann für die Stadtmetzgerei bedeuten, das Geschäft mit einem schlüssigen Gastro-Konzept zu forcieren. Ebenso bleiben selbst hergestellte Erzeugnisse aus der Region ein ultrastarkes Thema, das es in der Marketingkommunikation sehr viel deutlicher umzusetzen gilt – nicht nur an der Theke und im Schaufenster, sondern auch im Internet.

Höhere Fleischqualitäten, coole Cuts von Rind und Schwein, Edel-Burger und der Barbecue-Hype begleiten uns weiter. Damit lässt sich mehr Marge erwirtschaften. Der Erfolg für den eigenen Betrieb steigt mit der Inszenierung der Trendthemen. Und das lockt Kunden an.

Quelle: afz 8/2018
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