Jahreswechsel: Fröhliche Weihnachten
Jahreswechsel

Fröhliche Weihnachten

FRANKFURT Ein in jeder Hinsicht herausforderndes Jahr steuert auf sein Ende zu. Vielleicht entwickelten sich die vergangenen zwölf Monate unter dem Strich auch besser als zwischendrin erwartet.

Dennoch: Die durch das Coronavirus ausgelösten Verwerfungen werden den Jahreswechsel ebenso überdauern wie die zu lösenden Aufgaben der Agrar- und Fleischwirtschaft. Und ja, es gab auch immer wieder schöne Momente. Davon zeugen auch 51 Ausgaben der afz - allgemeine fleischer zeitung sowie zahlreiche Berichte und Bildergalerien hier auf fleischwirtschaft.de.


2020 ermunterte die afz ihre Leser in der ersten Ausgabe zu mehr Miteinander, um der Rolle des Sündenbocks zu entkommen. Diskussionen um Fleischkonsum und Klimaschutz, Forderungen nach einem Ausstieg aus der Massentierhaltung einerseits sowie einer Nutztierstrategie andererseits verlaufen nicht immer ohne liebgewonnene Doppelmoral. Und der Disput lässt sich nicht einfach lösen nach dem Motto: „Wer gute Lebensmittel will, muss dafür mehr bezahlen.“ Auch gegenwärtig wird viel über den Preis gesprochen. Welcher Wert ist angemessen, wie viel muss beim Bauern ankommen? Wer definiert, was „gut“, was „fair“ ist? Und was ist mit jenen, die Lebensmittel veredeln?
Mit der Verbreitung des Coronavirus seit dem Frühjahr herrscht in diesem Land der Ausnahmezustand. Nahezu alles verläuft anders als gedacht. Vom Gesetzgeber erlassene Schließungen von Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie bleiben für den Ernährungssektor nicht ohne Folgen. Die Konsummuster der Verbraucher haben sich enorm verändert, wovon Supermärkte und Fleischer-Fachgeschäfte profitieren. „Stay at home“ entfaltete seine Wirkung mit der Folge, dass die private Nachfrage nach Fleisch, Wurst und Geflügel enorm zulegte. Diejenigen, die sich auf die Belieferung von Großkunden wie Betriebskantinen, Restaurants und Hotels oder auf Partyservice und Catering spezialisiert haben, begleiten große Sorgen. Die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln stand während der andauernden Pandemie nie in Frage. Alle im Fleischsektor haben ausnahmslos „in die Hände gespuckt“, damit der Laden Bundesrepublik am Laufen bleibt. Die mit der Krise verbundenen Verwerfungen an den internationalen Fleischmärkten haben die Unternehmen vielfach gemeistert. Nicht immer konnten sie sich dem Virus in den Weg stellen, und Corona rückte die Arbeitsverhältnisse und Wohnbedingungen der Werkvertragsbeschäftigten in den Fokus der Öffentlichkeit. Da trat die Systemrelevanz des Wirtschaftszweigs in den Hintergrund. Dagegen gewannen die Fleischer-Fachgeschäfte an Zuspruch: Eigenschaften wie regionale Wertschöpfungsketten, Verbundenheit zur Heimat und eigene Herstellung sprachen 2020 viele Kunden an.

Dennoch: In der Branche sitzen alle in einem Boot, in dem auch afz, „Fleischwirtschaft“ und fleischwirtschaft.de mitfahren. Die Fleischbranche lebt vom Zusammenspiel aus Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung, Fleischhandel sowie dem Fleischerhandwerk. Die eingangs geschilderten Herausforderungen können nur im Schulterschluss gestemmt werden – ebenso wie die Arbeit am Berufsimage oder der respektvolle und tierschutzgerechte Umgang mit Schlachttieren. Wenn aber prekäre Beschäftigungsmodelle aufgedeckt werden, das Tierwohl im Stall oder im Schlachthof missachtet wird, müssen wir einen kritischen Spiegel vorhalten.

Zum Jahresende danken wir allen Leserinnen und Lesern, die unsere Angebote 2020 intensiver denn je genutzt haben. Insbesondere fleischwirtschaft.de verzeichnete zwischen Januar und Dezember eine enorme Steigerung der Zugriffszahlen. Das spornt uns an.

Redaktion und Verlag wünschen Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch in ein gesundes und munteres neues Jahr.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 52/2020
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