Jubel, Trubel, Öffentlichkeit

Jubel, Trubel, Öffentlichkeit

Kommentar von Monika Mathes zu Firmengeburtstagen

Mit einer regelrechten Feier-Inflation gehen deutsche Möbelhäuser seit Längerem auf Kundenfang: Kein Tag vergeht, an dem einem kein bunter Prospekt mit preisreduzierten Schrankwänden, Küchenzeilen oder den derzeit hippen Boxspringbetten aus der Tageszeitung entgegenflattert. Und billiger gibt es das Mobiliar augenscheinlich nur deswegen, weil „der größte Geburtstag aller Zeiten" mit Schnaps- oder irgendeiner Zahl ansteht oder die „Sortimentsräumung" als einmalige Gelegenheit zur erfolgreichen Schnäppchenjagd vorgegaukelt wird.

Auch auffallend viele Fleischereien begehen dieser Tage außergewöhnliche, aber wahrhaftige Jubiläen. Fast in jeder Woche berichtet die afz auf ihren Regionalseiten darüber. Während die 25. und 50. Geburtstage überwiegen, gibt es durchaus Betriebe, die seit ihrer Gründung auf 100 und mehr Jahre zurückblicken.

Egal ob 50 oder 100: Jede Zahl bietet eine feine Gelegenheit, sich als Familienunternehmen öffentlichkeitswirksam darzustellen. Wer aus Zeit- oder Helfermangel auf eine große Feier mit Zelt, Musik, Bewirtung und attraktiven Events verzichten muss, positioniert sich mit einem Tag der offenen Tür, Gewinnspielen oder einem Jubiläumsverkauf. Denn im Prinzip soll man die Feste feiern, wie sie fallen - aber wer so feierwütig wie die Möbelhäuser erscheint, verliert im Kundenkreis rasch seine Glaubwürdigkeit.

 

Quelle: afz – allgemeine fleischer zeitung 35/2014
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