Kommentar: Gute Stimmung für gute Geschäfte
Sandra Sieler
Kommentar

Gute Stimmung für gute Geschäfte

Dienstag, 22. August 2017

FRANKFURT Die Deutschen sind in Konsumlaune. Das zeigen die aktuellen GfK-Daten sehr anschaulich. Der Kunde kauft zwar nicht unbedingt mehr, gönnt sich aber gern mal was Besonderes auf dem Teller.

So gaben die Bundesbürger in der ersten Jahreshälfte unterm Strich merklich mehr für ihre Lebensmittel aus als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahrs. Der Lockruf von „Geiz ist geil“ verhallt so langsam. Für hochwertige und ehrliche Produkte ist der Verbraucher wieder bereit, mehr auszugeben: ein gutes Fundament für den Erfolg der handwerklichen Fleischerei.

Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind es, die derzeit den Konsum antreiben: Der Konjunkturmotor brummt, die Beschäftigungslage ist so gut wie lange nicht mehr. Das gibt Sicherheit, und manchem sitzt die Geldbörse da gleich etwas lockerer. Dann kauft er nicht nur zu erlesenen Anlässen höherwertige Produkte, sondern dauerhaft. Den Konsumforschern zufolge wird diese gute Stimmung auch anhalten – bis Jahresende allemal.

Die steigende Umsatzkurve im Geschäft mit Lebensmitteln ist nur eine Folge dieser „Spendierlaune“. Der zweite Profiteur ist der Außer-Haus-Markt, an dem sich die Metzger ebenfalls ihr Stück vom Kuchen sichern. In guten Zeiten geht man eben öfter ins Restaurant, in die Kantine oder gönnt sich unterwegs was an der Heißen Theke oder im Bistro. Wie erfolgreich Fleischer und Bäcker bereits von diesem Trend profitieren, zeigt die Beilage in unserer heutigen Ausgabe der afz. Der schnelle Snack nach handwerklicher Art hat Konjunktur.
Aber auch zu Hause gönnen sich die Kunden mehr. Statt dem schnöden Schweinenacken kommen viel öfter die Edelteile von Rind und Schwein auf den Grill oder in die Pfanne. Man achtet mehr auf Herkunft und Haltungsbedingungen und gibt auch mal Lamm- und Kalbfleisch den Vorzug vor den Klassikern vom Schwein. Diese Umorientierung zeigt sich ebenfalls an den Verkaufszahlen: Schweinefleisch verliert zusehends in der Käufergunst. Dafür ist die Sympathie für Hähnchen und Pute ungebrochen, ebenso wie die für Rindfleisch. Hier spielen die Handwerksfleischer ihre Chancen bereits voll aus, haben ihr Sortiment um gereifte Qualitäten ergänzt, befeuern den Grillhype mit speziellen Zuschnitten und informativen Workshops. Darüber hinaus unterstreichen immer mehr ihre Kompetenz mit der Weiterbildung zum Fleisch-Sommelier.

Die Wertschätzung gegenüber dem Metzgermeister erlebt spürbar eine Renaissance. Nicht umsonst wendet sich der Amateur-Griller mit Profi-Equipment an den Fachmann in Sachen Fleisch, wenn es darum geht, was auf den Grill kommt. In die Theken des Handels setzen sie kein vergleichbares Vertrauen, selbst wenn der gut sortierte Supermarkt heute kaum noch ohne Reifeschrank und Dry-aged-Fleisch auskommt.

Aber nicht nur das Fleischgeschäft gewinnt. Auch der Wurstmarkt hat sich in der ersten Jahreshälfte gut entwickelt. Sicher resultiert das Umsatzplus hier zu einem gewissen Teil aus Preisanpassungen vor dem Hintergrund der höheren Schweinepreise. Die Konsumforscher registrierten aber ebenso ein Mengenplus. Unter den Aspekten von Qualität und handwerkstypischem Charakter sind auch hier die Fachgeschäfte im Vorteil: Die Frage von Herkunft und Haltung der Tiere kann der Metzger klar beantworten. Der Meister selbst steht für den verantwortungsvollen Umgang mit Rind und Schwein bis hin zur schonenden Schlachtung.

Gerade für diese Argumente ist der Kunde heute aufgeschlossen. Er begreift, dass Produkte aus artgerechter Haltung teurer sein müssen als konventionelle Massenware. Im Fachgeschäft ist er deswegen gut aufgehoben.

Die Konsumstimmung passt also perfekt zum Angebot der Fleischer. Wer sich etwas gönnt, sucht das Besondere – und das findet er im Handwerk.
Quelle: afz 34/2017
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