Leitsätze: Ansprechend und informativ
Leitsätze

Ansprechend und informativ

FRANKFURT Vegetarisches Schnitzel, Tofu-Bratwurst, vegane Putenbrust. Haben Sie da nicht auch gleich das jeweilige Produkt vor Augen? In Form, Textur, Aussehen und Verwendung?

Diese charaktergebenden Eigenschaften erschließen sich dem Kunden bei der Veggie-Mortadella gleich aufgrund der Produktbezeichnung. Verwechslung ausgeschlossen, denn der Namenszusatz „vegetarisch“ oder „vegan“ weist ja ziemlich eindeutig darauf hin, dass es sich um ein fleischfreies Plagiat handelt. Wer als „Eingefleischter“ am SB-Regal oder an der Frischetheke auf der Suche nach dem Original aus tierischer Herkunft ist, wird kaum aus Versehen zum vegetarischen Produkt greifen, wenn dieses grundlegende Merkmal allein am Namen schon erkenntlich ist. Oder umgekehrt: Der Vegetarier erkennt seine Spezialprodukte stets auf einen Blick. Das vegetarische Schnitzel stammt nun mal nicht vom Schwein. Auch nicht vom Kalb. Und deshalb kopiert es auch nicht die positiven Eigenschaften der tierischen Originale, die den Fleischverweigerer ja ohnehin nicht überzeugen.


Dass die vermeintliche Verwechslungsgefahr keine ist, belegt außerdem eine Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands – dem die Kennzeichnung ja sonst nie genau genug sein kann. Demnach haben sich nur vier Prozent der Befragten jemals vergriffen.
Fleischwaren und Wurst genießen historisch bedingt nicht die gleichen EU-weit gültigen Schutzbestimmungen wie Milcherzeugnisse. Dafür sind die Fleischerzeugnisse – gerade in Deutschland – auch viel zu variantenreich. Deshalb darf Tofubutter nicht so heißen, das Tofuschnitzel aber schon. Der Übertragbarkeit der erst kürzlich gefallenen höchstrichterlichen Entscheidung gegen „Pflanzenkäse“, Veggie-Cheese“ & Co. auf Veggie-Wurst hat der EuGH zuletzt eine klare Absage erteilt.

Ohne Frage: Die Bezeichnungen der Veggie-Produkte bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Klarzustellen ist jetzt, was sich „vegetarisch“ und was sich „vegan“ nennen darf.
Den Auftrag hat die EU-Kommission schon mit der Formulierung der neuen Lebensmittel-Informationsverordnung (LIMV) erhalten, die Beratungen mit den Stakeholdern laufen. Sind diese Begriffe erst mal juristisch festgeklopft, dann gehen alle von derselben Bedeutung aus – und Verwechslungen sind ausgeschlossen.

Quelle: afz 30/2017
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