Maschinenbau: Flexible Strategien für volatil...
Gerd Abeln
Maschinenbau

Flexible Strategien für volatile Märkte

Dienstag, 09. Februar 2016

FRANKFURT Die deutschen Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Fleisch- und Fleischwarenindustrie steigerten 2015 ihre Produktion im sechsten Jahr in Folge. Die Auslandsnachfrage erreichte ein Rekordniveau.

Vor diesem Hintergrund erhoffen sich die Unternehmen von der IFFA in Frankfurt am Main nun deutliche Impulse für das laufende und das kommende Jahr. Sie hätten es sich verdient.


Ebenso wie die deutsche Fleischindustrie sich flexibel neue Märkte erobert hat, zeigen sich die hiesigen Maschinenhersteller anpassungsfähig an die sich laufend verändernde Lage auf den Weltmärkten. Geht wie in Russland eine Tür zu, öffnet sich eine andere, wie sie vielleicht der Iran sein könnte. Teheran will deutsche Unternehmen ins Land holen, vertraut auf traditionell gute Beziehungen, die auch während der Sanktionen nie ganz aufgegeben wurden. Nun dürften Milliarden-Investitionen im Iran zwar zunächst in Verkehrsinfrastruktur, Automobilindustrie oder Telekommunikation gehen. Aber auch Maschinen und Ersatzteile werden gefragt sein.

Hier können sich die Produzenten von Nahrungsmittelmaschinen sowie Verpackungsmaschinenhersteller profilieren und auf ein Stück des großen Kuchens hoffen. Sie werden dabei bestehende Risiken im Iran-Geschäft sicher nicht ausblenden, haben mit Exportquoten von durchschnittlich 86 Prozent schon viele Erfahrungen mit zentralistischen Strukturen, schnell wechselnden Liefermodalitäten, hohen Zollanforderungen oder versteckter Korruptionsanfälligkeit.

Der Fleischverarbeitungsmaschinenbau kann im Wettbewerb mit einem weiteren Pfund wuchern: Auch wenn in Deutschland die Nachfrage stagniert, wächst der globale Konsum von Fleisch und die Produktvielfalt im Convenience-Bereich nimmt zu. Damit steigen sowohl der Verarbeitungsgrad von Fleisch als auch die Wertschöpfung. Investitionen in Maschinen und Anlagen für die Verarbeitung und Verpackung von Fleischprodukten sind darüber hinaus in zahlreichen Ländern ein Muss für die Lebensmittelsicherheit – die chinesische Regierung zwingt hier gerade die Produzenten zu mehr Investitionen.

Dennoch müssen sich die Maschinenhersteller auf noch volatilere Märkte einstellen und Flexibilität in viele Richtungen beweisen. Zu den üblichen Konjunkturschwankungen kommen die Auswirkungen von politischen und wirtschaftlichen Krisen – und das mit immer kürzeren Vorlaufzeiten. Wechselkursschwankungen sind einmal Fluch, ein anderes Mal schon fast ein Segen. Werden währungsbedingt in einem Teil der Welt Investitionsprojekte verschoben oder in die Länge gezogen, kann an anderer Stelle die Nachfrage aus demselben Grund stark steigen.

Daher gilt es, die wachstumssichernde Balance aus vertretbarem Risiko und partnerschaftlicher Pflege der wichtigen Absatzregionen zu finden. „Nordamerika ist eine feste Größe. Asien und Lateinamerika gewinnen weiter an Bedeutung“, fasste Klaus Schröter, Vorsitzender der VDMA-Fachabteilung Fleischverarbeitungsmaschinen anlässlich der IFFA-Pressekonferenz die Exportentwicklung 2015 zusammen, ohne dabei die Europäische Union als größte und stabilste Absatzregion zu vernachlässigen.

Die Produktion von Fleischverarbeitungsmaschinen dürfte 2015 – dank starker Binnennachfrage und dem Wachstum im Exportgeschäft erstmalig den Wert von einer Milliarde Euro erreichen – ein stolzes Ergebnis mit Symbolcharakter. Darauf wird sich die Branche nicht ausruhen. Die Mischung aus langjähriger Erfahrung und technologischen Spitzenleistungen, gepaart mit Zuverlässigkeit und Kostenbewusstsein, wird auf der internationalen Leitmesse IFFA 2016 im Mai zeigen, wohin die Reise in diesem und dem kommenden Jahr geht.

Quelle: afz 6/2016
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