Ranking: „Top 100 der Fleischbranche“: Dauerh...
Ranking: „Top 100 der Fleischbranche“

Dauerhaftes Wachstum ist kein Selbstläufer

FRANKFURT Die Fleischwirtschaft ist der mit Abstand stärkste Bereich der deutschen Ernährungsindustrie.

Die Hersteller von Fleisch und Wurst stehen allein für ein Viertel des Gesamtumsatzes der Branche. Und auch beim Export haben sie die Nase vorn, liefern knapp ein Fünftel der Gesamtausfuhren an deutschen Lebensmitteln ins Ausland. Die Branche scheint auf Wachstum programmiert.


Gerade der Drittlandsexport hat zumindest der Schlachtindustrie in den letzten Jahren einen besonderen Schub verliehen, machte einen starken Wirtschaftsbereich noch stärker. Die Anzahl der Mastplätze und der Schlachthaken stiegen im Gleichschritt. Die Skala ist aber nach oben nicht offen, die Produktionszahlen sind nicht unendlich in die Höhe zu schrauben. Für weiteres Wachstum sind andere Strategien gefragt. Der Massenmarkt hat eben auch seine Kehrseite: beispielsweise die Facharbeiterkolonnen, die für kleines Geld und unter widrigen Bedingungen ihre Schichten schoben und oft genug noch in prekären Verhältnissen wohnten. Solche Auswüchse waren auf Dauer nicht tragbar, nicht gegenüber den Arbeitern selbst und genauso wenig gegenüber den Arbeitnehmervertretern und der Öffentlichkeit. Die Selbstverpflichtung der Branche, ihre bisherigen Werkvertragskräfte in feste Arbeitsverhältnisse zu übernehmen trägt Früchte. Das erkennen auch Politiker und Gewerkschaften an.

Das allein hilft allerdings noch nicht, das angekratzte Image der Branche und ihrer Berufsbilder wieder gerade zu rücken. Damit bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung, da sitzen Industrie und Handwerk in einem Boot. Ein gut ausgebildeter und verlässlicher Personalstamm ist schließlich ein grundlegender Faktor für wirtschaftliches Wachstum.
Bei aller Exportorientierung sind die Unternehmen der Fleischbranche noch fest verankert im Binnenmarkt – aber der wandelt sich auch ständig. Auf ein gefühltes Jahrzehnt, in dem „Geiz ist geil“ regierte, rückt die Qualität nun wieder mehr in den Fokus der Verbraucher. Das nehmen die Anbieter von Fleisch und Wurst gerne auf. Sie reagieren mit ganzen Premiumsortimenten, heben Rind- und mittlerweile auch Schweinefleisch durch andere Tierrassen, besondere Fütterung und extensive Haltung auf ein neues Qualitätsniveau. Ausgeklügelte Reifeverfahren geben dem edlen Fleisch dann noch den letzten geschmacklichen Schliff. Neben der Standardware bringen die Premiumsegmente für die Fleischvermarkter ein weiteres Standbein und eine attraktive Wertschöpfung.

Das Rindfleisch erlebt gerade eine regelrechte Renaissance. Hier beobachten wir steigende Konsumzahlen, allerdings zu Lasten der Klassiker vom Schwein. Dort sinken die Einkaufszahlen Schritt für Schritt. Und das hat verschiedene Gründe: Das Fleisch vom Schwein scheuen manche aus gesundheitlichen Gründen, manche aus religiösen. Zudem hat es oft das Image von Ramschware aus Massentierhaltung. Erschwerend hinzu kommt dann noch die auf den Kopf gestellte Alterspyramide in Deutschland: viele Alte, stehen wenigen Jungen gegenüber. Ältere essen eben seltener Schweinefleisch.

Das sich erneut wandelnde Konsumverhalten gehört nun schon zu den neuen Herausforderungen, von denen jede Zeit einige für die Fleischwirtschaft bereit hält. Offen ist beispielsweise auch die Frage, wie der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration gelingt, ohne dass es gleich zu einem Strukturbruch in der Landwirtschaft kommt. Die Lösung ist eng verknüpft mit einer zukunftsfähigen Aufstellung der Nutztierhaltung im Allgemeinen.

Die Fleischwirtschaft ist Gegenwind gewöhnt. Wenngleich manche Krisenwelle, die über der Branche zusammenschlägt, einzelne Unternehmen schon mal wegfegt, steht sie als Ganzes doch wie ein Fels in der Brandung. Das spricht für den scharfen Verstand ihrer Unternehmer und das feine Gespür für die Märkte, in denen sie agieren.

Quelle: afz 40/2017
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