Ranking: „Top 100 der Fleischbranche“: Die Br...
Ranking: „Top 100 der Fleischbranche“

Die Branche wächst mit ihren Aufgaben

FRANKFURT Die Fleischwirtschaft ist eine feste Größe. Mit Abstand ist sie die stärkste Branche innerhalb der Ernährungsindustrie.

Knapp ein Viertel der Umsätze in diesem Sektor tätigen allein die Hersteller von Fleisch und Wurst. Und selbst wenn alle Welt derzeit vom Veggieboom redet: Der Großteil der Schlachter, Zerleger und Wurstproduzenten dehnt seine Umsätze weiter verlässlich aus. Schade nur, dass das Image immer noch so angekratzt ist und die Leistungen der Branche in der Öffentlichkeit nicht die verdiente Anerkennung finden.


Die Fleischwirtschaft hat ihre offenen Flanken, das muss man sagen. Stichworte wie Tierwohl, Massenware, Dumpingpreise und -löhne sowie CO2-Belastung umreißen grob das Spannungsfeld, in dem sich die Unternehmen der Wertschöpfungskette Fleisch bewegen. Was man aber ebenfalls in den Blickpunkt rücken muss: Die Branche ist auf dem Weg.

Die Initiative Tierwohl etwa ist ein Beispiel dafür und gleichzeitig ein erster Schritt zur Verbesserung der Haltungsbedingungen in der Vorstufe. Das von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt angekündigte staatliche Tierwohl-Siegel wird der Verbreitung von artgerechteren Ställen hoffentlich noch weiteren Schub geben. Andere Unternehmen der Fleischwirtschaft engagieren sich in Projekten mit Offenställen, um wegzukommen vom Image der Massentierhaltung mit unwürdigen Zuständen. Die Branche ist also sensibilisiert und steuert gegen. Neben dem Tierwohl ist das Menschenwohl ein zweites heißes Eisen, das ebenso wie Missstände im Stall – die es leider immer noch gibt – in schöner Regelmäßigkeit durch die Medien geistert. Dabei hat die Fleischwirtschaft hier in den letzten Jahren einiges angepackt: Branchenmindestlohn, sozialer Mindeststandard und die Selbstverpflichtung haben die Situation grundsätzlich verbessert. Und doch zeigen Gewerkschaften und Beratungsstellen immer wieder Beispiele für prekäre Verhältnisse auf. Seien es horrende Mieten für überbelegte Mini-Apartments oder saftige Abzüge für Umkleidezeiten, teures Fahrt- oder Messergeld. Hier können sich die Unternehmen der Fleischwirtschaft noch mehr engagieren und sich selbst aus der Schusslinie bringen, indem sie mehr Mitarbeiter direkt anstellen und somit auch die Arbeitsbedingungen selber bestimmen. Westfleisch macht es vor.

Vom guten Klima im Betrieb zur Verpestung der Luft: Inzwischen werden Fleischesser von strengen Umweltschützern schon gerne mal als Klimakiller beschimpft. Der Beitrag der Tierhaltung zu den CO2-Emissionen ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem scheint die Fleischwirtschaft in Deutschland beim Klimagipfel in Marrakesch mit einem blauen Auge davonzukommen. Das ursprüngliche Ziel der Umweltministerin, den Fleischkonsum bis 2050 zu halbieren, hat der Wirtschaftsminister gestrichen. Auch der Vorschlag einer höheren Mehrwertsteuer auf Fleisch wurde verworfen. Geblieben ist aber wohl das Reduktionsziel von 15 Prozent in der Landwirtschaft. Ein gewisser Druck bleibt damit also bestehen.
Unser aktuelles Ranking zeigt: Die Betriebe im Schlacht- und Zerlegebereich sowie in der Veredlung und Verarbeitung bringen eine enorme Wirtschaftskraft zusammen. Sie bilden einen wichtigen Teil der Gesamtwirtschaft in Deutschland, der sich um die Zukunft nicht zu sorgen braucht. Auch die nächste Liste der Top-Unternehmen unserer Branche wird wieder von stolzen Wachstumsraten berichten. Das macht die Herausforderungen aber nicht kleiner. Jeder einzelnen davon muss sich die Branche als Ganzes und jeder Unternehmer selbst stellen – was angesichts des enormen Margendrucks alles andere als einfach ist. Im Gegenteil: Es erfordert besonderen Mut und Energie. Beides zu investieren lohnt sich. Denn jeder Schritt zahlt nicht nur ein auf ein besseres Image, sondern auch auf die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftszweigs und seiner Unternehmen.

Quelle: afz 45/2016
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