Rückblende: Das Jahr 2015
Rückblende

Das Jahr 2015

FRANKFURT Gründe zum Ärgern bot das Jahr 2015 viele. Mindestens genau so viele wie das Jahr davor und das Jahr noch davor. Wichtiger aber ist der Blick auf das, was sich zum Positiven drehte und worin echte Chancen für die Fleischer stecken.

Wir müssen uns daran gewöhnen: Politiker profilieren sich gern über Themen wie Lebensmittelsicherheit und Verbraucherinformation. Damit wachsen die Anforderungen an die Produktionshygiene sowie die Kennzeichnung und zuverlässig auch der Aufwand für die Dokumentation. Das wird sich in absehbarer Zeit kaum ändern. Keinesfalls darf es aber bedeuten, dass die Unternehmer und ihre Verbände nachlassen, sich mit aller Kraft gegen zusätzliche und oft unnötige Bürokratielasten zu stemmen. In dieser Hinsicht lieferte das zu Ende gehende Jahr denn auch beachtliche Erfolge: Die Allergenkennzeichung trat mit einem vertretbaren Aufwand in Kraft, so dass die Umsetzung für die Handwerksfleischer weitgehend geräuschlos ablief.


Die Früchte ihrer intensiven Lobbyarbeit vor allem in Brüssel ernteten die Verbände unter anderem mit der Herausnahme weiter Teile des Rinderdarms aus dem Spezifischen Risikomaterial. Und bei den beiden Aufregern des Jahres erzielten die Fleischer ein brillantes Medienecho: Pfiffige und plakative Reaktionen auf die Lidl-Werbung ebenso wie das ruhige und sachkundige Kontern der Metzgermeister auf das WHO-Urteil zum Krebsrisiko von Fleisch und Wurst sicherten dem Handwerk Sympathien bei Lesern, Zuhörern und Internetnutzern. Die Fleischer sind nicht länger die Buhmänner, sondern als versierte Ernährungsexperten gefragt. Hier tut sich was in der Wahrnehmung. Und das wirkt sich à la longue hoffentlich auch auf die Ausbildungs- und Mitarbeitersituation aus.

Als Trendsetter erwies sich 2015 die Gastroszene: Dank Better Burger, Edelfleisch und den inzwischen allgegenwärtigen Foodtrucks gehört Fleischgenuss plötzlich wieder zum modernen Lifestyle. Dabei geht es jetzt wieder verstärkt um Qualität, der Preis ist zweitrangig. Das sind vielversprechende Geschäftsfelder auch für die Fachgeschäfte. Viele sind bereits aufgesprungen, andere laufen sich noch warm, um mit einem abgestimmten Angebot bereit zu sein, wenn die 2015 geborenen Foodtrends im neuen Jahr richtig Fahrt aufnehmen.

Quelle: afz 52/2015
stats