Süffa: Wer kam, wollte auch kaufen
Süffa

Wer kam, wollte auch kaufen

FRANKFURT Am Dienstag schloss die 22. Süffa ihre Tore. Und wie in jedem Messejahr geht die große Rechnerei los: Messegesellschaft, baden-württembergischer Fleischerverband als ideeller Träger, Aussteller und nicht zuletzt die Presse erwarten mit Spannung die Besucherzahlen.

Noch vor Bekanntgabe des Schlussberichts spekulieren die Statistikfans immer wieder über mögliche Einflüsse auf die Frequenz: Wirkt sich der oftmals parallele Cannstatter Wasen positiv oder negativ aus? Verführt der Goldene Oktober wieder dazu, beim sonntäglichen Familienausflug lieber einen Freizeitpark anzusteuern?



Alle Überlegungen waren letztlich müßig: Das Cannstatter Volksfest fand an einem anderen Wochenende statt, und das Wetter war herbstlich-grau. Am Sonntag und Montag herrschte in den Gängen dichtes Gedränge – die Messegesellschaft meldet ein Besucherplus von zehn Prozent zum Vorjahr. Wer als Inhaber eines Fleischer-Fachgeschäfts vor Investitionen steht, kommt ebenso wenig an der Süffa vorbei wie derjenige, der sich einfach nur informieren oder mit Kollegen austauschen möchte.

Die Initiatoren haben es trotzdem nicht nötig, die Existenzberechtigung ihrer Süffa mit bloßen Zahlenspielen zu unterfüttern. Seit ihrem Start vor gut 30 Jahren ist sie – abgesehen von Hausmessen verschiedener Genossenschaften – als diejenige Veranstaltung im Messekalender übrig geblieben, die sich mit ihrem Angebot auf das Ladengeschäft fokussiert. Sie ergänzt die 2016 wieder in Frankfurt stattfindende IFFA. Sie ist damit ein Erfolgskonzept in einem Markt, in dem mancher Beteiligte zweifelsohne ums Überleben kämpft, der überwiegende Teil seine Position in den vergangenen Jahren aber mit guten Erträgen und erfreulichen Bilanzen gefestigt hat.

Und das nehmen nicht nur die Metzger aus Baden-Württemberg wahr, die zwar nach wie vor zwei Drittel der Besucher stellen. Die Stuttgarter Handwerksmesse erweitert ihr Einzugsgebiet fortlaufend – seit Längerem schon ins angrenzende Bayern und Hessen, aber auch nach Rheinland-Pfalz und weiter in nördliche Richtung. Sogar internationales Fachpublikum und komplette Delegationen aus Asien reisen in die Landeshauptstadt, um sich über Neuheiten zu informieren.

Dass in Bezug auf die Statistik Qualität vor Quantität steht, bestätigen zufriedene Aussteller mit ansehnlich gefüllten Auftragsbüchern: Wie die Messegesellschaft analysierte, war nicht nur „Laufkundschaft“ unterwegs. Der überwiegende Teil der Besucher ist maßgeblich in Einkaufs- und Beschaffungsentscheidungen involviert, und ein Drittel davon reiste mit konkreten Kauf- und Investitionsabsichten an. Das Budget soll vor allem in eine modernere Produktionstechnik und zeitgemäße Ladeneinrichtungen fließen. Das zeigt, dass die junge Generation von Betriebsinhabern ihre berufliche Zukunft mit viel Optimismus und Selbstbewusstsein gestalten will. Dabei ist das Fleischerhandwerk längst keine Männerdomäne mehr: Darauf hat sich die Süffa eingestellt und bietet den weiblichen Branchenprofis mit ihrem Tag für Metzgerfrauen jede Menge Anregungen für die tägliche Arbeit.

Es geht mit der jungen Generation im Handwerk erfolgreich weiter – egal, ob sie männlich oder weiblich ist. Sie verknüpft das traditionelle Handwerk mit innovativen, frischen Ideen. Sie ist motiviert und engagiert bei der Sache, verwirklicht eigene Ideen, von denen die Praxis profitiert. Gelungene Beispiele für Kreativität liefern die diesjährigen Träger des Förderpreises von afz und FleischWirtschaft. Ein Teil von ihnen kam erst durch einen Quereinstieg mit der Branche in Berührung und „leckte Blut“, wie es eine der Geehrten plakativ ausdrückte. Der ersehnte Imagewandel ist mit dieser Aussage in greifbare Nähe gerückt. Wem es gelingt, Berührungsängste mit dem Fleischerhandwerk abzubauen, hat einen großen Schritt in Sachen Nachwuchssicherung gemacht.

Quelle: afz 43/2015
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