TV-Beitrag: Täuschen, tarnen und verdrücken
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Täuschen, tarnen und verdrücken

FRANKFURT Täuschen, tarnen und verdrücken – so könnte mit etwas Abstand zum 10. April der Frontal-21-Beitrag „Wurstpanschen leicht gemacht?“ bezeichnet werden, wenn er denn nicht so viel Staub in der Branche aufgewirbelt und gleichzeitig den Finger in eine Wunde gelegt hätte.

Getäuscht fühlen sich die Prüfer der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zu Recht, haben hinterlistige Metzger und „investigative“ Redakteure doch eine „Geflügelfleischwurst“ nicht richtig deklariert, eine Firma zum Schein eröffnet und dann auf Nachfragen der DLG erst gar nicht mehr geantwortet.


Dabei haben die Täuscher – gut getarnt – ein zwar verpöntes aber doch erlaubtes K.O.-Kriterium derart medienwirksam für ihre Zwecke eingesetzt, dass 46 Prozent Separatorenfleisch, 27 Prozent Wasser und „nur“ 18 Prozent Fleisch & Speck dabei herauskamen. Denn bereits seit 2002 schließt die DLG gemäß ihren Prüfbestimmungen aus, dass Erzeugnisse mit Separatorenfleisch an ihren Prüfungen teilnehmen dürfen.

Künftig verlangt sie nun bei Einreichung der Produkte zur Prüfung zusätzlich einen rechtssicheren Nachweis, der die Verwendung von Separatorenfleisch im Produktionsprozess ausschließt – noch eine zusätzliche Hürde, die den Hersteller organisatorisch mehr Zeit und bürokratisch mehr Geld kostet, das besser in die Produkte gesteckt werden könnte.
Der DLG hilft es nicht wirklich weiter, dass die Wurst „nur“ Silber bekommen hat, wo doch der Handel fast nur noch Gold-Produkte in seinen Regalen sehen will und sich auch die meisten Kunden nicht mehr mit einem zweitem Sieger zufriedengeben. Das Wurstbild im ZDF hätte schon Punktabzug wegen äußeren Beschaffenheit bekommen, entspricht nicht dem DLG-Prämierungsstandard.

Dennoch ist Handeln geboten, um weder den Argumenten einer ausufernden Siegelflut noch dem lukrativen Geschäftsmodell der Prüfung an sich Vorschub zu leisten. Wahrscheinlich ist es an der Zeit, einem der ältesten Prüfverfahren der Welt weitere Laboruntersuchungen und zusätzliche Stichprobenanalysen zu verpassen – koste es, was es wolle. Schließlich steht die Glaubwürdigkeit eines eingespielten Systems auf dem Spiel.

Es gibt in Deutschland kein Reinheitsheitsgebot für die Wurst (mehr), wenn es das denn je gegeben hat. Dabei muss gar nicht diskutiert werden, ob die „gepanschte Wurst“ sogar verkehrsfähig oder in mancher ausländischen Nation willkommen gewesen wäre. Gute Handwerkspraxis ist für gute Produkte sicher die gängigste und am weitesten verbreitete Methode der Wahl, aber produziert wird eben auch, was technologisch machbar und finanziell (noch) lukrativ ist. Wenn dabei sauber produziert und eindeutig deklariert wird, muss das weder für den Hersteller noch den Verbraucher ein Schaden sein.

Den Schaden hat vorerst das Image der Wurst und den Spott die DLG. Nur wer den Bericht von Frontal 21 ebenso kritisch hinterfragt wie er selbst wahrgenommen werden möchte, wird auch dort die Lücken der Argumentation entdecken, die sich angesichts von Täuschung und Tarnung auftun. Bleibt zu hoffen, dass die DLG die geeigneten Maßnahmen findet, die die Glaubwürdigkeit in ihre Prämierungen sicherstellen.

Quelle: Fleischwirtschaft 5/2018
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