Tierwohl: Eine Pflicht für alle
Jörg Schiffeler
Tierwohl

Eine Pflicht für alle

Dienstag, 21. Juli 2015

FRANKFURT Das Wohl der Tiere ist unteilbar. Mit der Nutzung des Viehs übernimmt der Mensch auch Verantwortung, und das entlang der ganzen Kette – von der Erzeugung über die Gewinnung und Verarbeitung bis hin zur Vermarktung.

Der Gesetzgeber hat dem Tierschutz einen Rahmen gegeben, der Kunden und Verbraucherschützern zu weit gefasst ist. Landwirtschaft, Fleischsektor und Lebensmittelhandel handelten gemeinsam und starteten das Bündnis für mehr Tierwohl. Das ist ein Anfang. Ein Erfolg ist, dass so viele Tierhalter mitmachen wollen, auch wenn das Budget nicht ausreicht.


Die jetzigen Bündnispartner wollen und können nicht nachschießen. Der zusätzliche Finanzbedarf mit rund 60 Millionen Euro ist zu hoch, ist aus Branchenkreisen zu hören. Die aktiven Teilnehmer sehen unterdessen all diejenigen in der Pflicht, die sich aktuell zurückhalten.

Das Fleischerhandwerk setzt vorerst auf einen eigenen Weg. Die Metzger werben mit tiergerechten Aspekten bei der Schlacht um Pluspunkte beim Verbraucher.

Dabei ist Tierwohl eine Verpflichtung für alle. So ist unverständlich, weshalb die Mitspieler aus dem Handelsbereich ihre Palette an Fleisch, Fleischwaren und Wurst immer noch mit Niedrigpreisen bewerben. Da wirkt die getroffene Branchenvereinbarung wie ein Lippenbekenntnis und am Ende fehlt der entscheidende Cent für bessere Haltungsbedingungen.

Am Produkt ist das Plus an Tierwohl nicht zu erkennen. Vielleicht kaufen deshalb so viele Verbraucher preisgetrieben ein.

Quelle: afz – allgemeine fleischer zeitung 30/2015
stats