Umwelt: Weg mit den Plastiktüten, her mit Meh...
Julia Roß
Umwelt

Weg mit den Plastiktüten, her mit Mehrweg-Alternativen

Dienstag, 30. Oktober 2018

FRANKFURT Es ist beinahe unmöglich einzukaufen, ohne dabei eine Menge Plastikmüll mit nach Hause zu nehmen.

Selbst umweltfreundlich wirkende Verpackungen aus Papier haben fast immer ein Sichtfenster aus Folie. Man will ja sehen, was man kauft. Auch der Metzger verpackt die Produkte in folienbeschichtetes Papier und Kunststoffbeutel. Zu Hause angekommen legt der Kunde die Wurst in eine Dose. Das Fleisch verwendet er häufig noch am selben Tag. Die Verpackung landet im Müll. Nur kurze Zeit war sie nützlich.


Gibt man den Begriff „Umweltverschmutzung“ in der Google-Bildersuche ein, findet man hauptsächlich Fotos von Stränden, Meeren und Wäldern, die vor einigen Jahren sicher mal sauber und idyllisch waren. Jetzt sind sie überfüllt mit Plastikdosen, -tüten und anderem Kunststoffmüll. Da hilft es auch nicht, kein weiteres Plastik in Umlauf zu bringen und zu warten, bis sich das Problem von selbst löst. Denn Plastik verrottet nicht. Was nicht verbrannt wird, schwimmt noch in hunderten von Jahren beinahe unverändert in den Gewässern.Durch Verbrennungsanlagen landet der Kunststoff zwar nicht in der Umwelt, ökologisch ist der Prozess dennoch nicht. Auf offenen Mülldeponien wird unter anderem Kohlendioxid freigesetzt, außerdem Kohlenmonoxid, Ruß und hochgiftige Substanzen wie Benzol oder Dioxin. Ein weiteres Problem entsteht durch das Erdöl, womit Kunststoff hergestellt wird. Der fossile Brennstoff ist nicht erneuerbar, die Ressource endlich.

Zusätzlich belastet Mikroplastik, das in Grundwasser, Luft und Boden abgegeben wird, die Tier- und Pflanzenwelt. So gelangt es in die Nahrungskette. Für die Meeresbewohner ist der Kunststoff schon jetzt ein großes Problem. Überschriften in Zeitungsartikeln wie „Wal stirbt an acht Kilo Plastikmüll im Magen“ oder „Immer mehr Plastikmüll im Meer: Zehntausende Meerestiere sterben“ haben bei vielen Menschen ein Umdenken ausgelöst. Sie verzichten beim Einkauf, soweit es möglich ist, auf Verpackungen. Im Supermarkt in der Obst- und Gemüse-Abteilung ist das mit nur wenig Aufwand verbunden.

Auch beim Metzger bekommt man für den Transport immer häufiger Stoff- oder Papiertaschen. Mit Solaranlagen oder wasser- und energiesparenden Maschinen gehen Fleischer schon lange gegen die Umweltbelastung vor. Inzwischen tauschen einige auch das beschichtete Papier und die Kunststoffbeutel gegen Mehrwegdosen. Damit verwenden sie zwar immer noch Plastik. Es entsteht aber weniger Müll.
Die Verbraucher wünschen sich auch in anderen Bereichen immer häufiger Alternativen zu Einwegplastik. In vielen Cafés können sie inzwischen den eigenen Thermobecher wieder befüllen lassen.

Mehrweggeschirr zu nutzen bringt zusätzlich einen neuen Werbeeffekt mit sich. Das Image eines umweltbewussten Fleischers kommt immer gut an. Im Kundengespräch darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist auf Kunststoffmüll weitgehend zu verzichten, ist auch in Bezug auf die aktuelle Diskussion über das Verbot von Einwegplastik ab 2021 sinnvoll. Metzger können dem ein oder anderen Kunden die Augen öffnen.

Zugegeben, die Frischeboxen sind aus hygienischer Sicht riskanter. Bespricht man das System vorher mit dem Veterinäramt und hält sich an bestimmte Vorgaben, ist die Gefahr einer Keimbelastung überschaubar.

Es mag auch sein, dass es aufwendig ist, nach jedem Kunden die Tabletts zu reinigen. Dafür entsteht kein zusätzlicher Plastikmüll, der in die Umwelt gelangen könnte. So ein System gibt sowohl dem Kunden, als auch dem Metzger ein gutes Gefühl. Beide können stolz sein, etwas zu bewirken und aktiv etwas für die Umwelt zu tun. Das ist es wert.

Selbst wenn manche auf altbewährten Kunststoffverpackungen bestehen, sollten Metzger Alternativen anbieten. Auch wenn von hundert Kunden nur einer eine Mehrwegdose nutzt.

Quelle: afz 44/2018
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