Verhaltenskodex: Transparenz und Offenheit sc...
Verhaltenskodex

Transparenz und Offenheit schaffen Vertrauen

FRANKFURT Vor gut einem Jahr gab sich die Fleischwirtschaft einen Verhaltenskodex. Seither bekennen sich die Unternehmen zu sozialen Standards, Wohnverhältnissen und einer angemessenen Entlohnung für ihre Beschäftigten aus vielen Ländern Europas.

Nur unter dem teils massiven Druck der Öffentlichkeit und der politischen Wende in Berlin hin zu einem Mindestlohngesetz konnten sich die Protagonisten in den meist familiengeführten Betrieben und den Branchenverbänden zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung durchringen. Die Vereinbarung kann sich sehen lassen.


Zwölf Monate später lässt sich eine erste Bilanz ziehen: Wirtschaftsprüfer erhielten Einblicke in die Lohnbuchhaltung sowie in Mietverträge und Unterkünfte. Sie attestierten laut Verband der Fleischwirtschaft (VDF) und dem Verband der Ernährungswirtschaft (VdEW) die Einhaltung der selbst auferlegten Standards.

Mit der Verfassung der Absichtserklärung stand von Anfang an jedoch die berechtigte Frage im Raum, wer den Kodex unterzeichnet hat. Die afz formulierte im August 2014: „Wer nicht dabei ist, steht schon am Medienpranger.“

Unter dem Druck der Tagespresse sah sich der VDF erst in der vorigen Woche genötigt, Ross und Reiter zu nennen. Danach unterzeichneten 52 Unternehmen aus der Schlacht- und Zerlegeindustrie sowie aus der Geflügelverarbeitung und Fleischwarenhersteller die Übereinkunft.

Dass es nicht alle Betriebe sind, wird den Sektor noch beschäftigen. Die Tatsache, dass sich der Verhaltenskodex nur an Unternehmen richtet, die mit Werkvertragsunternehmen zusammenarbeiten, dürfte von vielen überhört werden. Zum anderen führen die Fleischwirtschaft und die Medien eine ganz eigene Beziehung. Diese ist weniger von Vertrauen als von Spekulation geprägt.

Das muss sich ändern. Zur Jahrestagung der Spitzenverbände der Fleischwirtschaft, BVDF und VDF, bekräftigte Dr.Wolfgang Ingold erst im Mai den Wunsch nach einem offenen Dialog. Mit Offenheit und belastbaren Informationen kann der Sektor einerseits beweisen, dass Schlagzeilen über Zweifel an Reformen in der Fleischindustrie nicht angebracht sind und zweitens baut eine offensive Kommunikationsstrategie neues Vertrauen auf.

Quelle: afz – allgemeine fleischer zeitung 31/2015
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