Virus-Epidemie: Gefährliche Corona-Blase
Virus-Epidemie

Gefährliche Corona-Blase

FRANKFURT Passend zur Grippe-Saison grassiert das Corona-Fieber. Menschliche Sensationsgier und medialer Dauerbeschuss haben Kräfte entwickelt, gegen die sachliche Aufklärung keine Chancen hat.

Längst ist die Angst vor dem Virus ansteckender als das Virus selbst. Bei Redaktionsschluss für die „Fleischwirtschaft“ 3/2020 war die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Deutschland auf über Tausend gestiegen; Tendenz dynamisch, aber nicht apokalyptisch.


Zum Vergleich: 98.500 Deutsche haben sich in der aktuellen Grippe-Saison mit der „normalen“ Influenza infiziert, davon sind etwa 160 Erkrankte gestorben. In besonders starken Jahren – zuletzt 2017/2018 – sind dem Virus dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge mehr als 25.000 Deutsche erlegen. Die Daily Mail berichtet, dass nahezu jede menschliche Tätigkeit mehr Todesfälle zur Folge hat, als das „killer virus“. Haben wir es also nicht mit einer Virus-Epidemie, sondern mit einer Hysterie zu tun? 

„Wir haben keine medizinische Lage, wir haben eine politische Lage“, mahnt der Leiter der Zentralen Notaufnahme des Universitätsklinikums Aachen und trifft damit den Kern. Die Zahlen- und Faktenlage zum Coronavirus ist verwirrend. Es kursieren viele verschiedene Informationen – auch Falschmeldungen und Gerüchte sind auf dem Wege. „Die Zeit“ zum Beispiel hat festgestellt, dass gefälschte Meldungen im Layout ihres Blogs im Umlauf sind. In Indien haben Gerüchte über die Übertragbarkeit des Virus zum temporären Zusammenbruch des Geflügelmarkts geführt. Verstärkt wird die Wirkung solcher Fehlinformationen durch die blitzschnelle Verbreitung dank moderner Medien; bis eine sachlich fundierte Gegendarstellung erfolgt, wurden längst unzählige Mediennutzer mit Falschmeldung „infiziert“.

Die ökonomischen Schäden gehen mittlerweile in die Milliarden, da bleibt auch die Fleischbranche nicht verschont. Offensichtlich ist die Absage einer Reihe von Veranstaltungen, auf der viele Menschen zusammenkommen. Viele Länder sind aktuell erheblich schwieriger zu erreichen und deshalb als Beschaffungs- oder Absatzgebiet nur mit größerem Aufwand und damit höheren Kosten zu bearbeiten. Nicht zuletzt beeinflussen „Hamsterkäufe“ länger haltbarer Produkte den Warenabsatz, denn die unerwartete Nachfrage nach meist konservierten Produkte geht zu Lasten von vordisponierter Frischware. Somit greifen alte Dispositionsrichtgrößen nicht mehr und es kommt zu Überhängen (wie z.B. Exportfleisch für China in den USA) oder Mangel (wie z.B. Schweinefutter in China, weil es nicht rechtzeitig abgefertigt wird). Ganz zu Schweigen von den globalen Liefer- und Logistikketten, die jetzt auf dem Prüfstand stehen.

Der Ausgang des Corona-Ausbruchs ist völlig offen, und das Krisenmanagement im föderalen Deutschland ist gefordert wie ewig nicht. Eine zentrale Stelle für Gesundheitsangelegenheiten wäre wohl von Vorteil. Dass der öffentliche Gesundheitsdienst in Länderhand personell auf absoluter Sparflamme gefahren wurde, rächt sich jetzt.

Quelle: Fleischwirtschaft 3/2020
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