ASP: Stärker schützen, schärfer kontrollieren
Sandra Sieler
ASP

Stärker schützen, schärfer kontrollieren

Dienstag, 20. Juli 2021

FRANKFURT Bei den Schutzmaßnahmen muss jetzt nachgebessert werden.

Allen Schutzmaßnahmen zum Trotz hat die Afrikanische Schweinepest nun die deutschen Nutztierbestände erreicht. Bislang liegen die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe innerhalb der Sperrzonen. Da für den Handel innerhalb der EU das Regionalisierungsprinzip gilt, ändert sich im Handel zunächst nichts. Wichtige Drittlandsmärkte wie China sind ohnehin seit September 2020 dicht.
Aber das Damoklesschwert hängt inzwischen schon deutlich tiefer: Springt das Virus über in die Bestände der tierreichen Regionen, im Nordwesten Deutschlands beispielsweise, sind eben doch deutliche Marktverwerfungen zu befürchten. Und aus Tierschutzsicht viel schlimmer: Die Bestände sind größer. So müssten im Fall der Fälle erheblich mehr Tiere gekeult werden.

Und schon jetzt steht der Schweinepreis in Deutschland unter erheblichem Druck. Das freut zwar zunächst die Verarbeiter, ein niedriger Erzeugerpreis nimmt den Erzeugern aber mittel- und langfristig die Möglichkeit, auskömmlich zu wirtschaften. Dass dann noch mehr Schweinehalter aufgeben, gilt es mit aller Kraft zu verhindern.

Dabei sind die Landwirte gefragt, ihre Herden bestmöglich gegen einen Eintrag des Virus zu schützen. Die Branchenverbände nehmen aber gleichzeitig die Politik in die Pflicht: Ein zweiter Schutzzaun soll an der Grenze zu Polen gebaut werden. Vonnöten ist ebenso ein sicheres Aufstallungsgebot für Hausschweine. An dessen flächendeckender Durchsetzung haben die Bauernverbände aktuell so ihre Zweifel. Dass das BMEL die Bundesländer nachdrücklich daran erinnert, die Hausschweinebestände konsequent zu schützen und die angeordnete Aufstallung wirksam zu kontrollieren, deutet tatsächlich auf klare Lücken in der Überwachung hin. Hier muss nachgebessert werden, im Interesse aller: der Tierhalter und Vermarkter ebenso wie der Tiere selbst.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 29/2021
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