Corona-Maßnahmen: Nach vielen Einschränkungen...
Jörg Schiffeler
Corona-Maßnahmen

Nach vielen Einschränkungen zeigt sich Licht am Horizont

Dienstag, 18. Mai 2021

FRANKFURT Wie gut, dass es erste Lockerungen von den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gibt.

In einigen Urlaubsregionen können Gastgeber ihre Hotels und Restaurants unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen – vorausgesetzt, der lokale Inzidenzwert lässt das auch zu. Das sind seit Langem gute Aussichten für den Fleischmarkt, denn die Lager müssen wieder mit frischer Ware aufgefüllt werden.

Ein Wermutstropfen zeigt sich am Schlachtschweinemarkt, denn der Überhang an Schweinen hat sich in Luft aufgelöst. Parallel dazu fällt das Lebendangebot kleiner aus, und mit der schrittweisen Öffnung der Gastronomie wird die Nachfrage nach Schweinefleisch anziehen. Der Verzehr wird weiter steigen, wenn die Bürgerinnen und Bürger wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren und sich damit auch die Betriebskantinen wieder füllen. Voraussetzung dafür ist allerdings noch eine große Unbekannte: die Zurücknahme der Corona-Arbeitsschutzverordnung, die noch bis 30. Juni 2021 gilt.
„Wenn Hotels und Gastronomie öffnen, müssen die Lager gefüllt werden. “
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Die Anzeichen für ein bisschen mehr Normalität verstetigen sich: Inzidenzen und R-Wert sinken. Dazu wird das Netz an (kostenlosen) Corona-Schnelltests engmaschiger, so dass es mehr Sicherheit für jeden Einzelnen gibt. Außerdem nimmt das Tempo beim Impfen enorm an Fahrt auf. Es wird weiter an Geschwindigkeit zulegen, wenn nun auch die Betriebsärzte in Kürze einen der Impfstoffe verabreichen werden – so wie es beispielsweise Westfleisch mit einem eigenen Zentrum für seine Belegschaft in Eigenregie anbieten wird. Überdies werden immer mehr Menschen in der Priorisierungsgruppe 3 geimpft. Dazu zählen auch alle Beschäftigten an Schlachthöfen, in der Wurstfabrik, im Supermarkt oder in der Metzgerei. Informieren Sie im Zweifel ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und stellen Sie notfalls Arbeitgeberbescheinigungen aus, denn der Fleischsektor gehört zur kritischen Infrastruktur. Außerdem gilt: Je mehr Mitarbeitende geschützt sind, desto sicherer ist das Unternehmen.

Es gibt aber noch mehr gute Aussichten. Auch wenn der Fleischkonsum in der Bundesrepublik zuletzt in der Corona-Krise sank, so bricht er nicht ein und auch nicht weg. Hierfür sind maßgeblich der Pro-Kopf-Verzehr sowie die gesamte Verzehrmenge heranzuziehen. Es verwundert schon, dass das Statistische Bundesamt (Destatis) am vergangenen Freitag über den Konsum von Frischfleisch (man beachte den ersten Wortteil des Substantivs) zum Kochen oder Braten informierte. Ja, das kann man machen. Gleichzeitig muss aber konstatiert werden, dass diese Auswertung Fragen aufwirft, denn Fleischwaren, Räucher- und Trockenfleisch oder anderes konserviertes Fleisch wurden in der proklamierten Analyse nicht mitgerechnet.
Außerdem bleibt unberücksichtigt, dass sich die Konsumgewohnheiten in den letzten 40 Jahren erheblich verändert haben: durch wachsenden Außer-Haus-Verzehr sowie den steigenden Conveniencegrad. Hinzu kommt, dass die Auswertung von Destatis Daten aus dem Zeitraum 1978 bis 2018 betrachtet. Seither hat sich eine Menge verändert, und die Corona-Pandemie hat die Konsumgewohnheiten nochmals außerordentlich beeinflusst. Das zeigen Schlagzeilen wie „Corona kurbelt private Nachfrage an – Haushalte kaufen mehr Fleisch und Wurst“ oder „Öfter am heimischen Herd – Pandemie verlagert Konsum in die eigenen vier Wände“.

Trübe Aussichten verheißt allenfalls die Wetterprognose für die bevorstehenden Pfingsttage. Die Witterung dürfte nicht nur zu frisch, sondern auch sehr durchwachsen und windig werden. Auch wenn das verlängerte Wochenende heiter bis wolkig wird, so sehnen sich doch die Allermeisten in unserem Land nach einem kleinen Tapetenwechsel. Die Lust auf Außengastronomie ist entfacht. Es ist ein Anfang. Dennoch: Abstand, Hygiene, Maske tragen und Lüften bleiben aber für einen sicheren Umgang miteinander vonnöten.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 20/2021
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