Deutsches Fleisch: Tragödie in mehreren Akten
Sybille Roemer
Deutsches Fleisch

Tragödie in mehreren Akten

Dienstag, 12. Oktober 2021

Das deutsche Fleischerhandwerk ist Premium. Aber wo bleibt der Ehrgeiz, fragt Sybille Römer in ihrem Kommentar.

Duroc und Iberico stehen beim Verbraucher unmittelbar im Zusammenhang mit „Genuss“ und „hochwertig“ und irgendwie haben es die spanischen Fleischproduzenten geschafft, ihre Viecher im Premiumsegment ziemlich prominent in die deutsche Ladentheke und damit in die Köpfe der Verbraucher zu rücken. Und jetzt bauen die Spanier auch noch ihre Werbung für das Gourmetprodukt „iberischer Schinken“ weiter aus – mit der bisher ehrgeizigsten Werbekampagne ihrer Geschichte, wie sie stolz verkünden.

Während hierzulande einem traditionell hervorragenden Metzgerhandwerk aufgrund sehr guter Ausbildung, hoher Qualitätsstandards und Dank großer Anstrengungen seitens der Metzger ein Premium-Umfeld geschaffen wurde, ist es passiert. Der deutsche Verbraucher ist scheinbar billig und mit sehr viel tier- und umweltgerechtem Denken im Supermarkt unterwegs, und eine ganze Branche schaut gebannt und paralysiert auf Politik und Ankaufskonzerne. Aber wo bleibt denn hier unser Ehrgeiz?

In der Masse läuft noch der Export, und doch ist der Claim „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ der vernehmbar letzte Markenschrei. Seitdem ist nicht viel passiert. Wo sind die Ideen und Folgen von Verbandstagungen, Auszeichnungen des Nachwuchses und Prämierungen? Diese müssen doch wieder in das Produkt „Deutsches Qualitätsfleisch“ münden und damit in die Köpfe der Verbraucher.

Das deutsche Fleischerhandwerk ist Premium durch und durch – nur der Verbraucher weiß es scheinbar nicht mehr oder nur noch vereinzelt. Wenn wir nicht alsbald Fleisch in Deutschland neu denken, wird es neben dem schon jetzt großen Erzeugersterben einen Verlust an Einfluss und Kompetenz im gesamten Markt geben.

Von der Markenbotschaft anderer getrieben bleibt jetzt scheinbar als Reaktion nur die Flucht in den Preis, und letztlich geht genau damit ein Verlust an Qualität und Solidität einher. Ein vernichtend hoher Preis, viel zu billig und viel zu einfach hergegeben.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 41/2021
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