Fachkräftesicherung: Ausbildung ist eine Inve...
Monika Mathes
Fachkräftesicherung

Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft

Dienstag, 08. Juni 2021

FRANKFURT Die nun schon mehr als ein Jahr dauernde Corona-Pandemie hatte große Auswirkungen auf Umsätze und Strukturen der fleischerhandwerklichen Betriebe. Auch die Personalentwicklung war und ist davon betroffen. Die Ausbildungsbereitschaft der Fleischer ist zweifelsohne gedämpft– viele Meister mussten verständlicherweise mit dringlicheren Problemen fertig werden.

Eine Personallücke klafft also weiter – und zwar im gesamten Handwerk: Eine noch nicht veröffentlichte Studie des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt das ganze Ausmaß. 2020 fehlten in Deutschland 65.000 Fachkräfte. Und zu denjenigen, die endgültig aus dem Berufsleben ausscheiden, gehören naturgemäß überdurchschnittlich viele ältere Beschäftigte. Das sind jene mit dem größten Erfahrungsschatz, die oft mit bitterer Konsequenz für ihre Arbeitgeber gehen. Ein Beispiel: Weil sich drei langjährige Fachverkäuferinnen zeitgleich in den Ruhestand verabschiedeten, schloss ein junger Betriebsnachfolger aus dem Fleischerhandwerk jüngst seinen Stammsitz und verlagerte das Geschäft auf den Markt- und Online-Verkauf.

Und leider folgen zu wenig junge Leute mit dem Wunsch nach einem krisensicheren Arbeitsplatz, die zugleich Freude an den unterschätzten, aber vielseitigen fleischerhandwerklichen Berufen mitbringen. Der Wunsch nach höheren Schulabschlüssen, denen fast schon zwanghaft ein Studium nachgeschoben wird, sowie die Fokussierung auf einige wenige Trendberufe erklären die gesunkene Nachfrage nach Lehrstellen.

Das Handwerk als Karriereoption haben viele nicht auf dem Schirm. Die Fleischer bekommen dies überwiegend im Verkaufsbereich zu spüren. Dort lockt die Konkurrenz aus dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) potenzielle Azubis erfolgreich mit vermeintlich besseren Konditionen. Dabei braucht sich das Handwerk bezüglich des Geldes nicht zu verstecken: Zum 1. Juni legten beispielsweise die Betriebe in Bayern eine ordentliche Schippe auf ihre Ausbildungsvergütungen drauf. Sie liegen damit gleichauf mit Baden-Württemberg, wo die Meisterbetriebe schon seit Längerem die bundesweit höchsten Azubi-Gehälter aufrufen.
Die Zahlen für die künftigen Fachkräfte an den Bedientheken sind dennoch bedrückend: Ende 2020 wurden nur noch knapp 3.000 Ausbildungsverträge unterzeichnet – für die knapp 12.000 fleischerhandwerklichen Unternehmen mit mehr als 7.000 Filialen wird die Personaldecke da ganz schnell ziemlich knapp. Bei den Fleischerinnen und Fleischern sieht es zwar auf dem Papier etwas positiver aus, aber rund 2.700 Neulinge decken auch hier den Bedarf nicht.
„So ziemlich jede Aktivität oder Kontaktmöglichkeit, bei der sich junge Leute ein realistisches, im Idealfall von Gleichaltrigen gezeichnetes Bild von den Ausbildungsberufen hätten machen können, musste abgeblasen werden. “
Monika Mathes, afz-Redakteurin
Corona machte die Gesamtsituation nicht besser. Das Virus erschwerte Schulabgängern ihre persönliche Berufsorientierung ganz massiv. Speed-Datings, Ausbildungsplatzbörsen, Infoveranstaltungen in Schulen, Praktika, Schnuppertage: So ziemlich jede Aktivität oder Kontaktmöglichkeit, bei der sich junge Leute ein realistisches, im Idealfall von Gleichaltrigen gezeichnetes Bild von den Ausbildungsberufen hätten machen können, musste abgeblasen werden. Virtuelle Alternativen sind zwar ein gut gemeinter Versuch, ersetzen aber nicht den persönlichen Kontakt, der für erklärungsbedürftige Berufe nötig ist.

Für viele potenzielle Azubis ist aktuell noch völlig unklar, in welche Richtung sich ihre berufliche Zukunft bewegen wird. Dabei ist es höchste Eisenbahn, Bewerbungen zu schreiben. In vielen Bundesländern laufen schon die Haupt- und Realschulabschlussprüfungen. Am 1. August, spätestens am 1. September, sollte das neue Ausbildungsjahr starten.
Für das Fleischerhandwerk lautet das Gebot der Stunde: Aktiv werden und die jungen Leute dort „abholen“, wo sie stehen. Das gelingt auf digitalen und sogar kostenfreien Plattformen wie www.fleischerberufe.de oder my-craft-job.de, Social-Media-Kanälen oder durch die persönliche und zeitgemäße Ansprache potenzieller Kandidaten. Ausbildung ist Ihre Investition in die Zukunft.

Lesen Sie zum Thema auch den Kommentar „Regionale Strukturen benötigen Fachkräfte“.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 23/2021
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