Fleischfreie Alternativen: Viel Medienrummel ...
Sabrina Meyer
Fleischfreie Alternativen

Viel Medienrummel um „Nichts“?

Montag, 23. August 2021

FRANKFURT Fleischersatzprodukte bleiben trotz Fangemeinde auch in Zukunft in der Nische.

Jeden Tag berichten die Medien von Innovationen, Start-ups sprießen wie Pilze aus dem Boden und Produktneuheiten werden vorgestellt – so zumindest scheint es. Doch der Schein trügt, und hinter der heilen Welt der Alternativen steht ein nur kleiner Teil des gesamten Fleischmarktes. Daran wird sich auch in den kommenden Jahren, Prophezeiungen zum Trotz, nicht viel ändern. Das zeigt eine neue Studie der Rabobank. Reicht das jedoch, um den Wandel auszusitzen? „Nein“ muss darauf die klare Antwort lauten.
Obwohl der Markt für alternative Eiweiße in den Bereichen Fleisch und Milch sowohl in der EU als auch in Großbritannien deutlich wachsen dürfte, bleiben die Anteile dennoch im einstelligen Prozentbereich. Das Marktvolumen belief sich 2020 auf 214.000 t, bis 2035 dürfte der Jahresabsatz laut Studie bis auf 1,5 Mio. t zunehmen. Der durchschnittliche, jährliche Zuwachs wird mit etwa 15 Prozent berechnet. Die Analysten kommen zu dem Schluss, dass der Verbrauchsanteil in der EU bis 2035 im Vergleich zu 2020 auf vier Prozent steigen wird. Tatsächlich wird also Fleisch nicht verdrängt, auch wenn das oft beschrieben wird.

Der Marktanteil der Alternativen bleibt weiterhin gering – dennoch sollte die Branche sie nicht unterschätzen. Denn diese Produkte haben eine publikumsträchtige Wirkung. Das Interesse der Verbraucher, gar der Politik und der Wirtschaft, wirkt wie ein Katalysator auf den Markt. In diesen Bereich fließen viele finanzielle Mittel, jedes Start-up geht aus den Finanzierungsrunden mit einem Topf voller Geld heraus. Auch ureigene Fleischunternehmen wie Tönnies probieren sich aus und bringen vegane oder vegetarische Produkte auf den Markt. PHW investiert massiv in Laborfleisch. Rewe verkauft seit kurzem Hybridprodukte. GEA plant eine Pilotanlage zur Hydrolyse von Proteinen aus Krill. Die „Eiweißlücke“ im Bereich der Tierernährung soll mit Insekten geschlossen werden. So klein der Marktanteil der Alternativen auch sein mag, der Stein ist ins Rollen gebracht und lässt sich nicht mehr aufhalten.
Die Fleischbranche mag die Alternativen belächeln, verfluchen oder von ihnen profitieren, aber eins sollte sie nicht tun – sie ignorieren. Die Alternativen besetzen „nur“ eine Marktnische, haben aber dafür eine wachsende Fangemeinde. Und allein damit haben sie eine Existenzberechtigung. Denn auch mit dem geringen Anteil erzielen sie eine hohe mediale Wirkung. Diesen Einfluss gilt es nicht zu vernachlässigen. Veränderungen haben immer klein begonnen.

Quelle: Fleischwirtschaft 8/2021
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