Fleischmarkt: Der Wind wird sich wieder drehe...
Steffen Bach
Fleischmarkt

Der Wind wird sich wieder drehen

Dienstag, 11. Mai 2021

FRANKFURT Der Markt für Schweinefleisch kommt in Deutschland zu Beginn des Sommers noch nicht in Schwung.

Die Hoffnungen der Erzeuger und Verarbeiter richten sich nun darauf, dass steigende Temperaturen die Lust am Grillen wiedererwecken. Doch noch stehen hierzulande die Corona-Beschränkungen größeren Grillpartys im Weg. Wenigstens in der Gastronomie besteht Hoffnung auf Lockerungen. Der chinesische Markt wird wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vorerst verschlossen bleiben. Wie stark sich der Exportstopp auswirkt, zeigt ein Vergleich der Preise für Schlachtschweine in Deutschland und Spanien. Während sich die Notierung in Spanien der Zwei-Euro-Marke annähert, ist der VEZG-Kurs wieder unter 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) gefallen. 

Das Fleischerhandwerk und die Wurstproduzenten sind von der aktuellen Entwicklung unterschiedlich betroffen. Wer seine Stärken im Außer-Haus-Markt hatte, muss nach wie vor Umsatzeinbußen hinnehmen. An der Ladentheke laufen die Geschäfte dagegen häufig besser als vor der Pandemie. Günstige Rohstoffpreise und qualitätsbewusste Kunden sorgen dafür, dass viele Betriebe trotz der gestiegenen Kosten für Corona-Schutzmaßnahmen gut durch die Pandemie gekommen sind. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Metzger und Wursthersteller über hohe Preise auf dem Fleischmarkt klagten. Zur Erinnerung: Noch im April 2020 erhielten die deutschen Mäster mehr als zwei Euro je Kilo SG für ihre Schweine. Durch Corona und ASP brachen die Kurse ein und sind nun schon seit mehr als neun Monaten nicht mehr über die Marke von 1,50 Euro je Kilo SG hinausgekommen. Vergessen scheinen die Zeiten, in denen wegen der hohen Nachfrage aus China über Exportbeschränkungen debattiert wurde.
„Die hohen Kosten für Futtermittel werden zu steigenden Schweinepreisen führen. “
Steffen Bach, Redakteur
Auch wenn aktuell keine Preissprünge zu erwarten sind, sollte man sich beim Einkauf auf dem Großmarkt nicht zu sehr in Sicherheit wiegen. Auf dem Weltmarkt ziehen die Fleischpreise seit mehr als einem halben Jahr wieder an. Zudem sind die Kosten für Futtermittel 2021 geradezu explodiert. An der globalen Leitbörse CBoT in Chicago stiegen die Kurse von Weizen, Sojabohnen und Mais auf die höchsten Stände seit acht Jahren. Deutlich teurer werden an der CBoT auch Schweine gehandelt, deren Kurse von Januar bis Mai um 50 Prozent in die Höhe schossen.

Die hohen Preise für Getreide und Ölsaaten werden auch hierzulande zu steigenden Schweinepreisen führen. Spätestens im Herbst, wenn die aktuell noch günstigen Futterkontrakte auslaufen, stehen die Mäster vor der Frage, ob es sich lohnt, erneut Ferkel einzustallen. Die Landwirte müssen ohnehin entscheiden, ob und wie es mit der Schweinehaltung weitergehen soll. Nicht wenige werden das Handtuch werfen, was mittelfristig zu weiter sinkenden Schweineschlachtungen führen wird. Höhere gesetzliche Vorgaben bei den Haltungsbedingungen zwingen die Tierhalter zu Investitionen. Doch weil es schwierig ist, für den Umbau zum Tierwohlstall eine Genehmigung zu erhalten, liegen viele Pläne auf Eis. Hinzu kommt, dass sich die Schweinehalter um den Absatz der Tierwohlschweine sorgen.
Hier können Fleischer und Fleischverarbeiter ihren Beitrag zu dem von der Gesellschaft eingeforderten Umbau der Tierhaltung leisten. Von langfristigen Lieferkontrakten, die den Erzeugern feste Absatzmengen und Preise garantieren, würden beide Seiten profitieren. Der Bauer kann seine Investition auf ein wirtschaftlich solides Fundament stellen. Der Metzger hat die Chance, seine Erzeugnisse mit Attributen wie bäuerlich, tiergerecht und regional zu schmücken. Er steht aber auch vor der Herausforderung, den höheren Rohstoffpreis an seine Kunden weiterzugeben. „Es gibt kein Recht auf Billigfleisch“, stellte kürzlich Julia Klöckner treffend fest. Ihr Appell richtete sich an Verbraucher. Er gilt in dem gleichen Maß aber auch für die Fleischverarbeiter in Industrie und Handwerk.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 19/2021
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