Hochwasser-Hilfe: Rückhalt aus der Familie st...
Jörg Schiffeler
Hochwasser-Hilfe

Rückhalt aus der Familie stärkt in der Not ungemein

Dienstag, 27. Juli 2021

FRANKFURT Die Ausmaße des verheerenden Hochwassers lassen sich auch zwei Wochen nach der Katastrophe kaum ermessen.

Kein Thema brennt den Menschen gegenwärtig mehr auf den Nägeln. In der größten Not stehen alle zusammen, und auch die Metzger beweisen ihren Zusammenhalt durch viele Unterstützungsmaßnahmen – nicht nur für ihre Kolleginnen und Kollegen.

Das Unwetter apokalyptischen Ausmaßes hat nach aktuellem Stand 19 fleischerhandwerkliche Unternehmen schwer getroffen. Die Kontaktaufnahme zu den Betrieben gestaltete sich äußerst schwierig, denn jegliche Infrastruktur brach in den betroffenen Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zusammen. Wie Präsident Herbert Dohrmann vom Deutschen Fleischer-Verband (DFV) im Gespräch mit der afz - allgemeine fleischer zeitung berichtete, gelang es allmählich, zu allen von den Fluten und der Zerstörung gezeichneten Fleischereien Verbindung aufzunehmen. Er habe die Schilderungen aus den Kollegenbetrieben als „sehr dramatische Schicksale“ wahrgenommen und zeigte sich tief betroffen.
Das Fleischerhandwerk steht seit dem Katastrophenfall wieder wie eine Familie zusammen. Die Hilfsbereitschaft ist enorm, und binnen weniger Tage sammelten sich auf dem Spendenkonto des DFV bereits 160.000 Euro. Die sechs in Nordrhein-Westfalen verwüsteten Unternehmen und 13 in Rheinland-Pfalz erhalten in dieser Woche völlig unbürokratisch 5.000 Euro als Soforthilfe. Im nächsten Schritt werden die Mittel nach Notwendigkeit in engster Abstimmung mit den Fleischerverbänden Nordrhein-Westfalen sowie Rheinland-Rheinhessen verteilt.

An diesem Beispiel zeigt sich, wie wichtig die Berufsorganisation ist. Innung, Landesverband und Bundesverband bündeln und verteilen Informationen, verschaffen sich einen Überblick und stellen Hilfe sicher – nicht nur aus den eigenen Reihen. Das wird allein nicht genügen, um die existenzbedrohenden Schäden zu beheben. Aber es ist ein Anfang, ein kleines Licht am Horizont, das den gebeutelten Betrieben zunächst eine mentale Aufbauhilfe leistet.

Die Familie der Fleischer beweist in diesen Tagen, wie gut sie anpacken kann, wie einige Beispiele belegen. Nicht lange überlegen, Aktionen starten und Unterstützung leisten – sei es, Hilfsgüter zu sammeln und in die Katastrophengebiete zu bringen oder Wurst und Vesper für die Helferschar zu liefern. Landesinnungsmeisterin Dagmar Groß-Mauer vom Fleischerverband Rheinland-Rheinhessen ist im Kreis Ahrweiler auch Obermeisterin. Gegenüber der afz sagte sie, dass ihr sowohl die Worte über das große Leid sowie über die riesige, bundesweite Anteilnahme der Kollegen fehlen. Es sei ihr ein Bedürfnis, jetzt einfach nur mal Danke zu sagen.
„Solidarität unter Kolleginnen und Kollegen muss weiterhin groß geschrieben werden. Der Wiederaufbau verlangt viel Kraft und verschlingt Zeit.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Wer die Bilder aus den Katastrophengebieten verfolgt, dem wird klar, dass das große Aufräumen noch über Wochen andauern wird. Ebenso wird die Bewertung der Schäden weder kinderleicht noch unkompliziert werden. Deshalb ist es für die betroffenen Unternehmen wichtig, ihre Liquidität zu sichern. Der DFV rechnet mit Umsatzausfällen über Wochen und Monate. Der Wiederaufbau wird viel Kraft verlangen und Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb muss Solidarität unter Kolleginnen und Kollegen weiterhin groß geschrieben werden. Es ist damit zu rechnen, dass die Versicherungen sowie Bund und Länder die entstandenen Sachschäden nicht vollständig auffangen werden. Umso mehr sollte die Familie der Fleischer mentale Hilfe leisten und – wo möglich – finanzielle Unterstützung anbieten. Dort, wo die Produktion so schnell nicht wieder aufgebaut werden kann, könnten Kollegenbetriebe einspringen. Wer einen Verkaufsanhänger ausborgen kann, hilft damit sicher einer Metzgerei, deren Laden verwüstet wurde.

Nicht vergessen wollen wir die Vermissten und die Toten. Den Angehörigen gilt unser tiefes Mitgefühl.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 30/2021
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