Karriere: Facettenreicher Beruf mit Zukunftsm...
Jörg Schiffeler
Karriere

Facettenreicher Beruf mit Zukunftsmusik

Dienstag, 16. November 2021

FRANKFURT Klappern gehört zum Handwerk. Dieses Sprichwort ist aktueller denn je vor dem Hintergrund der dringlichen Fachkräftesicherung.

Die Ausbildung zur Fleischerin oder zum Fleischer steht in der Gunst junger Menschen nicht an der Spitze der Traumberufe. Ähnlich ist es mit einer Lehre zum Fachverkäufer oder Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk. Das ist nicht neu. Daran hat auch die Systemrelevanz des Fleischsektors seit Ausbruch der Corona-Pandemie nichts geändert. Dabei bieten Arbeitsstellen in fleischerhandwerklichen Betrieben, am Schlachthof, in Zerlegebetrieben sowie in der Fleischverarbeitung und im Lebensmitteleinzelhandel ein garantiertes Einkommen nicht nur in unsicheren Zeiten.

Klischees haben ihren Ursprung nicht von ungefähr, aber es ist dringend an der Zeit sie aus dem Weg zu räumen. Darin liegt einer der Beweggründe der Initiative von afz – allgemeiner fleischer zeitung und „Fleischwirtschaft“, junge Nachwuchskräfte zu identifizieren, zu fördern und an die Branche zu binden: mit dem „Förderpreis der Fleischwirtschaft“. Es gleicht einer Herkulesaufgabe, dem Image einer blutigen, kalten, schweren und karg bezahlten Arbeit entgegenzuwirken. Dabei sind die beruflichen Chancen und Karrierewege in der Fleischbranche so außergewöhnlich vielseitig und attraktiv.
In diesem Jahr verleihen wir die Auszeichnung zum neunten Mal an junge, ambitionierte Talente aus Handwerk, Industrie und Wissenschaft. Auch 2021 erreichten die Jury zahlreiche außergewöhnliche Bewerbungen. Das Votum fiel auf vier Top-Nachwuchskräfte, die am heutigen Dienstagabend in Mainz ausgezeichnet werden. Diese Talente sind Leuchttürme für die Branche und zeigen jede Menge Möglichkeiten für eine Karriere auf: etwa den Meister, Betriebswirt des Handwerks, Fleischtechniker, Lebensmitteltechnologen und viele Spezialisierungen mehr wie etwa in der Qualitätssicherung, Produktentwicklung, Produktmanagement, Produktions- und Betriebsleitung. Damit sind die Optionen längst noch nicht ausgeschöpft: Auch Behörden (in Kommune, Land und Bund), Hochschulen und Institute – wie das BfR, BVL oder das MRI beispielsweise – suchen Nachwuchskräfte. Ohne frischen Wind, neue Ideen und solide ausgebildete junge Menschen ist die Zukunftsfähigkeit des Fleischsektors in Gefahr – egal, ob beim Metzger nebenan, im Schlachthof oder in der Wurstproduktion.

Zweifelsfrei ist die Fleischwirtschaft einem enormen Wandel ausgesetzt. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über gesunde Ernährung, Verzehrgewohnheiten sowie Fleischkonsum und Klimabilanzen insbesondere diskutiert wird. Das macht den Sektor aber noch spannender. Einerseits sind die traditionellen Fleischverarbeiter schon heute die erfolgreichsten Produzenten fleischfreier Alternativen und andererseits gibt es jede Menge Arbeit bei der Entwicklung von weiteren Proteinalternativen sowie Cultured Meat, also Fleisch aus der Petrischale, für das kein Tier mehr an den Haken muss. Welchen Anteil diese Produkte eines Tages im Einkaufskorb der Verbraucherinnen und Verbraucher haben werden, lässt sich schwer voraussagen. Klar ist, dass die klassischen Produkte so schnell nicht aus den Theken verschwinden werden.

Für Katharina Koch – 2016 mit dem Förderpreis ausgezeichnet – ist das Fleischerhandwerk ein modernes Dienstleistungsgewerbe mit einer starken Hightech-Komponente, in dem sich alles um Genuss und Qualität dreht. Die Fleischermeisterin und Sorbonne-Absolventin hatte im Sommer als Testimonial für die Nachwuchskampagne des Handwerks Lust auf Traumjobs mit Perspektiven gemacht.

Die „Fleischerberufe“ sind enorm facettenreich. Außerdem bereitet die Erzeugung von Lebensmitteln viel Freude. Auch in Zukunft bleiben die Aufgaben groß, wenn wir Klimaziele erreichen wollen. Klappern wir alle dafür.

Die beruflichen Chancen und Karrierewege in der Fleischbranche sind außergewöhnlich vielseitig und attraktiv. Dafür müssen wir alle aber deutlich mehr klappern.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 46/2021
stats