Klimaschutz: Weniger Tiere, bessere Welt?
Sabrina Meyer
Klimaschutz

Weniger Tiere, bessere Welt?

Montag, 15. November 2021

FRANKFURT Klimaschutz ist eine globale Aufgabe und darf nicht ausgelagert werden.

Um bis 2045 klimaneutral zu werden, müsste der Tierbestand in Deutschland laut Öko-Institut halbiert werden. Greenpeace fordert, mit dem Abbau sofort zu beginnen. Dabei wollen die Aktivisten die heimische Landwirtschaft unterstützen. Die Landwirte bräuchten finanzielle Unterstützung, um die Neustrukturierung zu gestalten und aus der Tierhaltung auszusteigen.

Wenig beachtet wird bei diesen Aussagen, dass sich schon seit Jahren immer mehr Landwirte von der Tierhaltung verabschieden, auch aus finanzieller Not, unter politischem Druck und wegen mangelndem Beistand. Was bleibt, ist das Gefühl der Machtlosigkeit – dabei haben Klimawandel, Verbraucherfrust und Umweltkatastrophen doch nicht nur eine Ursache. Die Anzahl der Schweinebetriebe ist seit 2010 um fast 50 Prozent geschrumpft, die Anzahl der Rinderbetriebe hat um ein Drittel abgenommen. Es gibt weniger, aber größere Betriebe, und dennoch nimmt insgesamt die Zahl der Rinder und Schweine ab. Zugleich bessern sich die Haltungsbedingungen stetig.

Von Stillstand und einem „weiter so“ in der deutschen Landwirtschaft kann also nicht die Rede sein. Veränderungen finden statt, sie müssen aber auch publik gemacht und wahrgenommen werden. Veränderungen tun Not, dürfen aber nicht nur aus Verzweiflung resultieren. Australien zum Beispiel verfolgt eine andere politische Strategie und will die Landwirtschaft nicht über Gebühr belasten. Die Tierhaltung soll bei der Weltklimakonferenz ausdrücklich nicht auf die Anklagebank gesetzt werden.

Eine weitere Überlegung, die nicht zu unterschätzen ist: Im eigenen Land kann die Produktion sehr wohl von Politik und Verbraucherverhalten gesteuert werden, zum Beispiel gezielt in Richtung Nachhaltigkeit und Tierwohl. Parallel entsteht jedoch ein anderer Trend, seit langem steigen die Importe. Im vergangenen Jahr wurden mehr als eine Million Tonnen Schweinefleisch aus dem Ausland eingeführt. Eine rückläufige, inländische Erzeugung bedingt also mitnichten den direkten Rückgang des Konsums. Es kann wohl kaum das Ziel sein, im Inland die Tierhaltung zu halbieren und die Fleischlücke von außen aufzufüllen – dem Weltklima ist damit nicht gedient. Die deutsche Fleischproduktion steht für Qualität. Das ist ein Trumpf, den es auszuspielen gilt. Es gilt auch, endlich mit der Umstrukturierung zu beginnen und auf eine gemeinschaftliche Lösung mit Landwirtschaft, Verarbeitern, Handel, Politik und Verbrauchern zu setzen. Eine nachhaltige Lieferkette kann schließlich nur in Zusammenarbeit entstehen.

Eine solche Diskussion um Klimaschutz muss sich ein Land aber auch leisten können. Die westlichen Länder sind in einer priviligierten Position und es ist daher nur richtig, dass Deutschland mit gutem Beispiel voran geht. Klimaschutz darf aber nicht nur in den Dimensionen des eigenen Landes gedacht werden, er muss global betrachtet werden. Solange in Deutschland mit den höchsten Standards produziert wird, darf die Produktion nicht in andere Länder verlagert werden. Das hat schon in anderen Industrien – wie zum Beispiel in der Textilbranche – nicht funktioniert. Verlässt die Produktion das eigene Land, verlieren die Unternehmen meistens auch die Kontrolle.

Quelle: Fleischwirtschaft 11/2021
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