Konsumgewohnheiten: Der Verbraucher und wie e...
Sandra Sieler
Konsumgewohnheiten

Der Verbraucher und wie er gern sein würde

Dienstag, 25. Mai 2021

FRANKFURT Nachhaltig, regional und fair. So will der Verbraucher heute einkaufen.

Zumindest gibt er das immer wieder in Umfragen an, wie zuletzt im Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Demnach spielt es für mehr als 80 Prozent der Befragten eine große Rolle, dass ihre Lebensmittel aus der Region stammen. Wer seinen Blick über die Supermarktregale streifen lässt, weiß: So groß ist das Angebot (noch) gar nicht.

Ebenfalls ein Ergebnis des Reports aus dem Bundesernährungsministerium: Gut 40 Prozent der Bürger würden bis zu 50 Prozent mehr fürs Fleisch bezahlen, wenn es dann von Tieren stammt, die besser gehalten wurden als gesetzlich vorgeschrieben. Das sagen sie zumindest gegenüber den Meinungsforschern.

Aussagen und Realität klaffen aber gern mal auseinander. Dieses Phänomen wird auch als Bürger-Konsumenten-Lücke bezeichnet: Als Bürger sieht man die moralische Pflicht dazu, als Verbraucher unterliegt man eben auch oft wirtschaftlichen Zwängen oder man greift aus purer Bequemlichkeit doch zur Supermarktware statt noch mal extra ins Fachgeschäft oder in den Bioladen zu gehen.
Solche Umfragen aber nun als bloße Kaffeesatzleserei abzutun wäre falsch. Denn selbst wenn sich der Befragte nicht 100-prozentig so verhält wie er angibt, zeigt es doch, wie er gern sein würde. Oder wie er denkt, wie er sein sollte. Dahinter steht die gesellschaftliche Erwartung, die er erfüllen möchte – und die hat sich in der Tat verändert: Tierhaltung im industriellen Maßstab, eingepferchte Tiere oder lange Transportwege sind den Verbrauchern heute nicht mehr vermittelbar. Darum muss die Bundesrepublik dringend vorankommen mit dem Umbau der Nutztierhaltung: Damit es den Tieren im Stall besser geht. Aber auch, damit die Tierhaltung in Deutschland weiterhin akzeptiert wird. Denn Zukunft hat die Fleischerzeugung nur mit einer gesellschaftlich getragenen Nutztierhaltung.

Wenn es ums Essen geht, hat zwar immer noch der Genuss die oberste Priorität. Doch das Gewissen isst mit.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 21/2021
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