Regionale Schlachtstätten: Regionale Konzepte...
Jörg Schiffeler
Regionale Schlachtstätten

Regionale Konzepte benötigen Fachkräfte

Dienstag, 01. Juni 2021

FRANKFURT In Brandenburg ist der Aufschrei über das bevorstehende Aus des Färber-Schlachthofs in Neuruppin groß. Am Fuße der Schwäbischen Alb rüstet man in Metzingen den Schlachtbetrieb für den letzten Akt.

Lassen wir das oft an dieser Stelle eingeforderte und unabdingbare Thema Tierwohl einmal beiseite, für das diese Zeitung immer eintritt. Das Überleben von Schlachtstätten in der Region steht in direktem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Diese ist wiederum abhängig von verfügbaren Viehbeständen sowie Fachkräften, die Rinder und Schweine fachgerecht an die Haken bringen und zerlegen. Und es braucht erfahrene Fleischhändler, die den wertvollen Rohstoff heimatnah vermarkten.

Wer dezentrale Strukturen einfordert, braucht nicht nur dringend ein Vermarktungskonzept, sondern noch viel mehr den sicheren Zugriff auf Arbeitskräfte. Je kleiner der Schlachthof ist, um so mehr werden in der Kolonne Experten benötigt – also Allrounder, die betäuben, stechen, brühen, spalten, zerlegen und so weiter. Diese Fachkräfte sind gegenwärtig auf dem Arbeitsmarkt so gut wie nicht verfügbar. Das steht in direktem Zusammenhang mit dem Image des Schlachters, der Tiere tötet und – nach Dafürhalten einer großen Öffentlichkeit – zu kargen Löhnen arbeiten muss. Wenn ein Betrieb beispielsweise eine wöchentliche Kapazität von 500 Schweinen zerlegt und verarbeitet, so sind zirka 15 Mitarbeitende für diese Tätigkeiten einzuplanen. Dafür wird der Schlachthof gutes Geld in die Hand nehmen müssen, denn im Unterschied zu Großbetrieben kann die Arbeit des Einzelnen nicht auf das Rippenziehen oder Bäuche zuschneiden reduziert werden.
Dezentrale Strukturen im Schlachtbereich haben eine Perspektive, wenn die Produkte aus regionalen Wirtschaftskreisläufen mit Mehrwerten wie zum Beispiel „Bio-Qualität“, „gentechnikfrei“ oder aus geschlossenen Ketten zu überdurchschnittlichen Erlösen mit Erfolg vermarktet werden können. Solche Nischen müssen zuvor identifiziert werden.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 22/2021
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