Tierschutz: Verantwortung lässt sich nicht de...
Jörg Schiffeler
Tierschutz

Verantwortung lässt sich nicht delegieren

Dienstag, 23. November 2021

FRANKFURT Tierwohl muss immer Chefsache sein.

Wieder ist eine Schlachtstätte in die Schlagzeilen geraten. Es sind beschämende Aufnahmen, die „Bild“ und SWR über den Bildschirm flimmern ließen. Für Laien sind derartige Videosequenzen nicht zu ertragen und Fachleute mögen darüber urteilen, was tatsächlich gegen Gesetze verstößt. Klar ist: Leidende Tiere darf es nicht geben!

Die mutmaßlichen Verstöße gegen Tierschutzgesetze in einem Pfälzer Handwerksbetrieb sind kein Kavaliersdelikt und werden nun von der Staatsanwaltschaft überprüft. Der Fall zeigt bekannte Schwachstellen auf. Erstens: Die Betäubung von Schlachttieren ist problematisch. Sie muss von geschulten Fachkräften mit hoher Sachkunde ausgeführt werden – zu jeder Zeit. Zweitens: Das Management muss das Tierwohl garantieren und vor allem auch kontrollieren. Der verantwortliche Unternehmer darf sich nicht blind auf seine Beschäftigten verlassen. Gerade im Schlachtbetrieb ist es zwingend erforderlich alle Maßnahmen zum Schutz von Tier und Mensch zu überprüfen und zu gewährleisten.
Es ist kaum nachvollziehbar, weshalb sich so viele in der Branche gegen eine Kameraüberwachung an Schlachthöfen sperren. Eine andere offene Flanke ist der Zustand vieler kleinerer Schlachtunternehmen, die in die Jahre gekommen sind. Nicht selten kämpfen die Betriebe mit Baumängeln und niedrigen Schlachtzahlen. Oft fehlen die Finanzmittel für eine zeitgemäße Ausstattung, die dem aktuellen Stand der Tierschutzgesetze entspricht. Tierwohl und Nachhaltigkeit sind aber die Seiten einer Medaille, die der Fleischsektor ohne Abstriche gewährleisten muss. Das wurde in der vergangenen Woche einmal mehr auf dem Deutschen Fleisch Kongress deutlich, als GfK-Experte Helmut Hübsch auf das Verbraucherverhalten einging.

Verbraucher- und Tierschützer sowie Medien werden auch künftig die Erzeugung von Fleisch allzu gern unter die Lupe nehmen. Setzen wir alles daran für einen Genuss mit gutem Gefühl.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 47/2021
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