Kommentar von
Jörg Schiffeler

Afrikanische Schweinepest Die ASP zwingt zu einer neuen Kalkulation

Dienstag, 15. September 2020
Jetzt ist sie also angekommen: Die Afrikanische Schweinepest – ASP – hat Deutschland erreicht.

Die ASP breitet sich seit dem Jahr 2007 im asiatisch-europäischen Raum aus und erreichte 2014 die Ostgrenze der Europäischen Union. Seither wird mit Argusaugen auf die Ausbreitung des Virus geschaut. Spätestens als sich in Polen die Ausbrüche – zunächst in Wildschweinrotten und später in Beständen mit Hausschweinen – häuften, bekamen es Tierhalter, Großschlachter und Behörden mit der Angst zu tun. Notfallpläne, Zaunbauten und Vorsichtsmaßnahmen diesseits und jenseits der Oder brachten nichts, wie sich am vergangenen Donnerstag herausstellte.

Nachdem zunächst das Landeslabor Berlin-Brandenburg den Wildschwein-Kadaver untersucht und den Verdacht auf ASP gemeldet hatte, bestätigte das nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) die Analyse der Kollegen. Das tote Tier wurde nahe der Ortschaft Sembten im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße aufgefunden. Es blieb nicht der einzige Schwarzkittel im betroffenen Restriktionsgebiet.

Seither kommt es zu heftigen Turbulenzen an den Schlachtviehmärkten. Dabei ist die für Schweine gefährliche Tierseuche keine Gefahr für den Menschen. Das stellte Präsident Prof. Andreas Hensel vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin klar und fasste es so zusammen: „Der Erreger der ASP ist nicht auf den Menschen übertragbar.“ Da dieses wichtige Detail in vielen Beiträgen fehlt, sei es hier explizit erwähnt. Gesundheitsgefahren bringt das Virus für den Homo sapiens nicht.

Die ASP bedeutet jedoch enorme wirtschaftliche Verwerfungen für die Tierhalter unter den Bauern und den kompletten Fleischsektor. Hatte die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) noch am vergangenen Mittwoch eine Preisempfehlung für Schlachtschweine von 1,47 Euro je Kilo Schlachtgewicht ausgegeben, sah sie sich zwei Tage später zu einer Korrektur gezwungen. Der Kurs der VEZG gilt als Leitnotierung. Entsprechend hektisch fielen die Reaktionen nach einem Preisabsturz um satte 20 Cent aus. 

Kurssturz
(Bild: imago images / Michael Weber)

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VEZG-Notierung Absturz am Schweinemarkt

Der Verlust des Status „ASP-frei“ bescherte den deutschen Exporteuren von Schweinefleisch sogleich einen Lieferstopp in die wichtigen Auslandsmärkte China, Japan und Südkorea. Dabei wird es vermutlich nicht bleiben. Der Ruf von Bauernverband, Fleischindustrie und Raiffeisenverband nach einer Regionalisierung, damit deutsches Schweinefleisch – mit Ausnahme des aus Brandenburg stammenden – aus dem EU-Binnenmarkt heraus exportiert werden kann, ist folgerichtig. Es kann nicht sein, dass ein einziges totes Wildschwein das Export-Geschäft zum Erliegen bringt. Bisher hatten Bemühungen zur Vereinbarung von Regionalisierungsmaßnahmen und der Unterscheidung zwischen Haus- und Wildschweinen in den Exportzertifikaten keinen Erfolg.
Stopp - ASP-Exportsperre
(Bild: Pixabay)

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Die Chinesen verliehen dem Fleischhandel mit deutschen Schlachtbetrieben vor allem in den vergangenen zwei Jahren immer wieder neuen Schub. Die ASP in der Volksrepublik und der dort steigende Appetit auf Spezialitäten vom Schwein kurbelten die Geschäfte ordentlich an. Damit ist im Augenblick Schluss. Wie groß wird der Schaden nun hierzulande? Das ist nicht absehbar. Aber: 80 Prozent der Exportmenge liefern die hiesigen Unternehmen in Länder der EU, und der Heimatmarkt ist für die Anbieter der wichtigste Anker. Eine Unsicherheit stellt der Absatz von in Asien beliebten Pfoten, Ohren, Schwänzchen und Knochen dar: Sie sind bundesweit kaum zu vermarkten und der Verkauf nach Fernost brachte gute Margen. Jetzt müssen Schlachter und Zerleger neu kalkulieren.
„Der Fleischsektor muss jetzt zu seinen Landwirten stehen, damit die Erzeugung von Fleisch auch morgen noch eine Zukunft hat. Wer allein auf besonders günstige Konditionen beim Rohstoff setzt, gefährdet nicht nur die Existenz von Höfen, sondern auch alle Anstrengungen für ein Mehr an Tierwohl.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Wichtig ist jetzt für die Tierhalter, dass die Notierung für Schlachtschweine Halt findet und nicht weiter in den Keller rauscht. Daran kann kein Schlachtkonzern, kein Fleischverarbeiter, kein Händler und kein Metzger ein Interesse haben. Der Sektor muss zu seinen Bauern stehen, damit die Erzeugung von Fleisch eine Zukunft hat.

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