Kommentar von
Michael Weisenfels

Aldi und Lidl heizen den Wettbewerb im Handel an Verbraucher tragen die Auswirkungen

Donnerstag, 20. August 2015
Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt, dass es im deutschen Lebensmittelhandel noch nie so viele Sonderangebote gegeben hat wie in diesem Jahr.

Fast ein Fünftel der Umsätze mit Gütern des alltäglichen Bedarfs sei im ersten Halbjahr durch Aktionen erzielt worden, berichtete GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. Bei Markenprodukten entfielen sogar 27,8 Prozent der Umsätze auf Angebote.



Aus Sicht von Adlwarth sind Preise in diesem Jahr ein noch größeres Thema als bisher. Den Auslöser hierfür sieht er im aktuellen Preiskampf zwischen den Discountern Aldi und Lidl. Aldi liste derzeit immer neue Markenartikel ein, um vom Trend zum höherwertigen Konsum zu profitieren. Lidl fühle sich dadurch angegriffen, fürchte um sein Preis-Image bei Markenartikeln und schlage zurück – was wiederum Aldi nicht ruhen lasse. Es entwickele sich ein Kampf, der über Tiefstpreise ausgetragen wird.

Die Lebensmittel Zeitung, eine Schwesterpublikation der FleischWirtschaft, spricht von einem „regelrechten Erdbeben“, das die Marken-Listungen von Aldi ausgelöst hätten. Tatsächlich hat der Kampf der Giganten Auswirkungen auf den gesamten Lebensmittelhandel und über alle Sortimente. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen auch die klassischen Supermärkte zumindest ein Stück weit mitziehen – etwa durch zusätzliche Sonderangebote. Und auch den kleineren Discountern bleibt nichts anderes übrig, als sich an den tonangebenden Marktführern zu orientieren.

Den Markenherstellern macht die Entwicklung Sorge, denn sie müssen über Sonderkonditionen die Preisschlacht finanzieren. Der Deutschland-Chef von Unilever, Ulli Gritzuhn, verlangte erst kürzlich: „Der Wahnsinn muss ein Ende haben.“ Die Preiskämpfe auf Kosten der Hersteller könnten diese nicht dauerhaft verkraften.

Eine Vielzahl von kostensenkenden Maßnahmen, die es ermöglichen, die „Kriegskasse“ des Handels weiter zu füllen, sind bereits von den Herstellern in den letzten Jahren umgesetzt worden: Rezepturoptimierung, Automatisierung von Arbeitsabläufen, Fokussierung auf Kernkompetenzen usw. Was eigentlich nur noch bleibt, sind deutliche Sortimentsstraffungen. Es bietet sich an, unwirtschaftliche Konfektionierungen, die nur durch spezielle Arbeitsabläufe darstellbar sind, aufzugeben. Oft sorgen sie nach aufwändigen Umrüstarbeiten für einen zähen Arbeitsfluss und damit hohe Produktionskosten.

Gleichwohl sind diese speziellen Angebotsformen aber etwas, auf das Verbraucher gern zurückgreifen, weil sie ihrer individuellen Situation optimal gerecht werden. Was nutzt dem Ein-Personen-Haushalt die klassische 200g-Stapelpackung Kochschinken aus dem Supermarkt? Dieses Angebot ist zwar eine wirtschaftlich gut darstellbare Konfektionierung, mit der weitere „Munition“ für den Preiskampf generiert werden kann, verbraucherfreudlich ist sie aber nicht. Wenn also Sortimentsstraffung als nahezu letztes Mittel bleibt, die Preiskriege zu finanzieren, ist es der Verbraucher, dem die mögliche vielfältige Auswahl vorenthalten wird.

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