Kommentar von
Jörg Schiffeler

BVDF │VDF Fleischsektor in der Zwickmühle

Dienstag, 21. Mai 2019
Ferkelkastration, Afrikanische Schweinepest, steigende Tierwohl-Anforderungen, die geplante Kamerapflicht und das Verpackungsgesetz treiben Schlachtern, Zerlegern und Verarbeitern Schweißperlen auf die Stirn.

Wenn diese Woche die Mitglieder des Verbands der Fleischwirtschaft (VDF) und des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF) in Berlin zur Arbeitstagung zusammentreffen, geht es um die Belastungen, die der Sektor meistern muss. Zusätzlich setzt die Entwicklung der Notierungen an den Fleischmärkten vor allem die Verarbeiter unter Druck, weil Preisanpassungen in der Regel gegenüber dem Handel nur mit Verzögerungen realisiert werden können. Bei den großen Konzernen drückten die Schweinepreise im vergangenen Jahr den Umsatz.

Mit sinkenden Kursen ist vorerst nicht zu rechnen: Der Bestandsabbau von Schweinen und Rindern hierzulande sowie die steigende Nachfrage aus dem Ausland nach Fleisch sprechen eher für ein mittelfristig stabiles Preisniveau bei der Rohstoffbeschaffung. Knappe Renditen belasten die mittelständisch geprägten Familienbetriebe der Fleischwirtschaft. Eine Herausforderung bleibt der Ausbau von Tierwohl und Fleischprogrammen, weil es die Unternehmen selten schaffen, die Verbesserung der Produkteigenschaften mit einer höheren Wertschöpfung zu verknüpfen.

Dieses Geld wird dringend für Investitionen, Produktentwicklung und neue Gesetzesauflagen benötigt. Beispielsweise für die Umsetzung der betäubungslosen Kastration von Ferkeln oder die Einführung der Videoüberwachung. Auch der Mangel an Fachkräften verlangt neue Ideen über den Mindestlohn-Tarifvertrag und den selbst auferlegten Verhaltenskodex hinaus. Menschen finden und motivieren wird zur Herkulesaufgabe. Auch wenn viele Aufgaben automatisiert und digitalisiert werden können, bedarf es erheblicher Finanzmittel für den Schlachthof und die Wurstfabrik 4.0.

Worauf sich die Branche verlassen kann, ist der Appetit der Verbraucher auf Fleisch, Fleischwaren und Wurst. Der Konsum ist europaweit seit fast 20 Jahren stabil. Mit Spannung wird deshalb die Bilanz von BVDF und VDF erwartet.

Das könnte Sie auch interessieren
stats