Kommentar von
Gerd Abeln

Branchenkommunikation Fakten dürfen nicht fehlen

Freitag, 17. Februar 2017
Am 25. Januar ist eine gute Idee zu Grabe getragen worden, die Zeit war anscheinend abgelaufen.
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Die Lebensmittelwirtschaft Branchenkommunikation


„Die Lebensmittelwirtschaft“ hat ihre Ziele erreicht und beendet planmäßig die Aktivitäten, hieß es in der Überschrift einer einseitigen Pressemitteilung, für die Geschäftsführer Stephan Becker-Sonnenschein verantwortlich zeigte. Jetzt hat zwar „nur“ der gleichnamige Verein als gemeinsame Initiative der Ernährungsbranche die Arbeit eingestellt, in der Summe ist aber ein fast fünf Jahre währender Dialog schon wieder Geschichte – und das ist schade.

Ob die Aktivitäten plangemäß eingestellt wurden, ob einzelne Mitglieder sich nicht genügend vertreten sahen oder ob es schlicht am Geld hing, in post- bzw. genauer parafaktischen Zeiten von „Fake News“ wird ein Stimme fehlen, auch wenn sie nie so laut wie andere geklungen hat.

Denn auch im Stillen lässt sich erfolgreich wirken und der Boden für gute Argumente bereiten. Der branchenübergreifende Dialog zu Ernährungsthemen wurde satzungsgemäß gestärkt, ein Beitrag zur Versachlichung der öffentlichen Diskussion rund um Lebensmittel und Ernährung auf Basis fakten- und wissenschaftsbasierter Informationen geleistet. Diese Verdienste wurden denn auch in der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Berlin von Vorstand und Gründungsverbänden gewürdigt.

Ob die Arbeit des Vereins zukünftig von anderen Brancheninitiativen und den relevanten Verbänden fortgeführt werden kann, muss sich im Einzelfall und spätestens bei der nächsten Krise zeigen. Ob alle, die an der Herstellung und dem Verkauf von Lebensmitteln mitwirken, weiter mit einer Stimme sprechen, scheint angesichts zahlreicher Partikularinteressen zweifelhaft.

Die Lebensmittelwirtschaft - Becker-Sonnenschein
(Bild: Die Lebensmittelwirtschaft)

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Branchenkommunikation Aus für "Die Lebensmittelwirtschaft"

Sicher hat sich in den fünf Jahren das Ansehen der Lebensmittelwirtschaft verbessert, sicher haben Gespräche zwischen Politik, Zivilgesellschaft, Unternehmen, Wissenschaft und Medien zur Wertschätzung der Lebensmittel beitragen.

Ob die Aufgabe des Vereins „Die Lebensmittelwirtschaft e.V.“ damit erfüllt ist, muss die Zukunft zeigen. Laut Studien haben Verbraucher zwar inzwischen in vielen Punkten eine andere Sichtweise auf Lebensmittelthemen als von Politik, NGOs oder Branchenvertretern vermutet. Aber Forderungen nach mehr Transparenz werden ebenso nicht verschwinden wie Kampagnen der NGOs, die im Zweifel auch mal eigene Geschäftsinteressen verfolgen.

Bleibt zu hoffen, dass die Veröffentlichungen und Veranstaltungen des Vereins das Selbstbewusstsein der Branche tatsächlich in dem Maße gestärkt und den Zusammenhalt gefördert haben, dass ein offener Dialog mit allen relevanten Bezugsgruppen geführt werden kann.

Der Anspruch, ein realistisches Abbild einer hocheffizienten und extrem sicheren Lebensmittelversorgung zu zeigen, prägt jetzt mehr denn je die Kommunikation der gesamten Branche, heißt es in der eingangs erwähnten Pressemitteilung. Die Aufgaben des Vereins würden in Zukunft von anderen Brancheninitiativen und Verbänden fortgeführt. Diese Aufgaben werden in einer globalisierten und immer mehr vernetzen Welt nicht weniger und auch nicht einfacher. Intensive, übergreifende, professionelle und an Fakten orientierte Kommunikation darf daher ebenfalls nicht weniger werden.

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