Kommentar von
Jörg Schiffeler

Chancen und Perspektiven sichern Fachkräfte in spe

Freitag, 07. November 2014

Jörg Schiffeler zur Werbung für ein attraktives Berufsprofil

Die Nachwuchskräftesicherung ist neben der Produktentwicklung und dem Vertrieb eine der wichtigsten unternehmerischen Aufgaben. Es gibt kaum einen Wirtschaftszweig, der vom Nachwuchskräftemangel nicht betroffen ist. Da mögen zwar die Expertenmeinungen mitunter zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, doch steht unumstößlich fest: Die Schulen entlassen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung weniger junge Menschen als die Wirtschaft zur Fachkräfteausbildung benötigt. Diese Situation wird sich verschärfen.

Nicht erst seit kurzem bietet das Fleischerhandwerk mehr Ausbildungsplätze an als besetzt werden können. In den Schlacht-, Zerlege- und Verarbeitungsbetrieben sowie im Lebensmittelhandel dürfte die Situation nicht anders sein. In diesem Zweig des Fleischsektors liegen keine separaten Statistiken vor und für die Interessenvertretungen in Bonn scheint dieses Thema nicht von Belang zu sein.

Im Unterschied dazu hat der Deutsche Fleischer-Verband ein ansprechendes, sowohl auf junge Menschen und Meinungsbildner wie Lehrer und Arbeitsagenturen gerichtetes Nachwuchswerbekonzept entwickelt.

Hier wird gezeigt, dass die Fleischerberufe anders sind als die Bevölkerung denkt. Zusätzlich baut das neue Konzept auf eine Imagepolitur. Die Verbraucher sollen erkennen, wie wertvoll die Veredelung von Rohstoffen sowie die Herstellung von Lebensmitteln ist.

Wo positioniert sich hier abseits einzelner Unternehmen die Fleischwirtschaft? Will sie künftig überhaupt Fachkräfte beschäftigen oder setzt sie vollends auf Kolonnen für Werkverträge und Zeitarbeit? Die Chancen und Perspektiven, die ausgebildete Gesellen ein Leben lang haben, werden kaum aufgezeigt. Das rächt sich.

Der Berufsabschluss war noch in der jüngeren Vergangenheit oftmals Zulassungsvoraussetzung für ein Studium der Lebensmitteltechnologie. Mit der Umstellung und Entrümpelung der Studiengänge zugunsten eines Bachelor-Abschlusses und zu Lasten einer soliden, auch ganzheitlichen Ingenieurs-Ausbildung, entfielen diese Eingangsvoraussetzungen, die sich auch in Stellenausschreibungen Fleisch verarbeitender Unternehmen wiederfanden.

Heute bemängeln viele Personalverantwortliche und Betriebsleiter genau das Fehlen dieser Eigenschaften - unabhängig davon, dass die Stellenbesetzung der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gleicht. Wer nicht ausbildet kann keine Talente erwarten. Der Fleischsektor ist sensibel, nicht zuletzt wegen der Frische seiner Erzeugnisse.

Die moderne Produkttechnologie braucht der Branche nahestehende Nachwuchskräfte. Umso mehr ist es an der Zeit, berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Egal ob Geselle, Meister, Technologe, Betriebswirt, Controller, Buchhalter oder IT-Spezialist - sie werden alle händeringend gebraucht. Am Ende werden sich die Unternehmen durchsetzen, die sich als Arbeitgebermarke gegenüber anderen Stellenanbietern profilieren.
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