Kommentar von
Sandra Sieler

Corona-Krise Neuer Monat bringt Hoffnung auf einen neuen Start

Dienstag, 28. April 2020
Alles neu macht der Mai, sagt man landläufig. In diesem Jahr könnte das Corona-bedingt zutreffender sein denn je.

In der ersten Maiwoche wollen Bundeskanzlerin Merkel und die Länderchefs über weitere Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie entscheiden. Darauf lauern Bürger wie Unternehmer mit größter Spannung. Die inzwischen wieder auf 1,0 gestiegene Reproduktionsrate des Coronavirus verdunkelt allerdings bereits so manchen Hoffnungsschimmer. 

Die Beratungen über die nächsten Schritte starten indes schon in dieser Woche. Am Donnerstag etwa will Angela Merkel mit den Regierungschefs der Länder unter anderem über einen Vorschlag diskutieren, wie künftig wieder Messen stattfinden könnten. Dieser Lichtblick dürfte insbesondere das südwestdeutsche Fleischerhandwerk erfreuen, das bereits jetzt auf seine Süffa im Herbst hinfiebert. Bayerns Ministerpräsident Söder wiederum ließ dieser Tage durchblicken, man könne sich darüber unterhalten, der Gastronomie ab Ende Mai Erleichterungen zu verschaffen. Und die sind wirklich dringend nötig.

Nach sechs Wochen Shutdown wird der Ruf der Wirtschaft nach Lockerungen immer lauter – und auch wehklagender. „Deine Lieblingsbar wird es dann nicht mehr geben.“ So drastisch formulierte es ein Münchner Gastronom zuletzt im Podcast der „Süddeutschen Zeitung“. Und das wird sicher auch für manche Metzgerei gelten, wenn sie nicht bald wieder mit dem Catering durchstarten darf. Noch nie in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands erlebte die Wirtschaft eine so heftige Schockwelle wie derzeit.

Medienwirksam machten zuletzt Gastronomen, Veranstalter und Hoteliers auf ihre inzwischen existenzbedrohende Lage aufmerksam. Die bundesweite Aktion „1.000 leere Stühle“, die für Aufsehen etwa am Brandenburger Tor, dem Frankfurter Römerberg oder vor der Feldherrnhalle in München sorgte, soll am 1. Mai fortgeführt werden.

Auch ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer hat im Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Altmaier die für das Handwerk wichtigen Punkte benannt, damit der Neustart nach dem Shutdown gelingen kann. Passend dazu hat der Zentralverband des deutschen Handwerks ein Positionspapier für ein erfolgreiches Wiederanlaufen der Wirtschaft vorgelegt. Das Werk greift auch fundamentale Forderungen des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) auf - wie den möglichst schnellen Neustart für alle Unternehmen.

Selbst unter Beachtung von strengen Hygiene- und Abstandsregeln wäre es für die Unternehmen des Fleischerhandwerks ein entscheidender Fortschritt, wenn sie ihre Dienstleistungen wie Imbiss, Catering und Partyservice bald möglichst wieder aufnehmen dürfen. Die aktuellen Umsatzeinbußen durch die geltenden Kontaktbeschränkungen haben manche Fleischerei bereits in die Kurzarbeit getrieben. Das Instrument soll nach dem Willen von DFV und ZDH künftig auch für Azubis und Minijobber einsetzbar sein. 

„Nach den milliardenschweren Hilfspaketen, die die Regierung bereits für die Wirtschaft auf den Weg gebracht hat, darf der Politik nun nicht die Luft ausgehen.“
Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin
Nach den milliardenschweren Hilfspaketen, die die Regierung bereits für die Wirtschaft auf den Weg gebracht hat, darf der Politik nun nicht die Luft ausgehen. Ob der Stammitaliener an der Ecke, die Lieblingsbar im Viertel oder der Metzger meines Vertrauens – mit jedem ginge ein Stück Vielfalt und Kultur verloren.

Auch für die Redaktionen afz - allgemeine fleischer zeitung, „Fleischwirtschaft“ und fleischwirtschaft.de startet mit dem 1. Mai ein neues Kapitel: Wir gehen in Kurzarbeit. An der dfv Mediengruppe, der verlegerischen Heimat von afz und „Fleischwirtschaft“, geht die Krise leider auch nicht spurlos vorbei: Der Ausfall von Messen und Kongressen schlägt bei unserem breit aufgestellten Medienhaus dennoch hart ins Kontor.

Trotzdem haben wir wie gewohnt den Finger am Puls des Fleischerhandwerks und versorgen Sie weiter wöchentlich in der afz und täglich auf fleischwirtschaft.de mit aktuellen Informationen. Unsere Bürozeiten allerdings beschränken sich vorerst auf Montag bis Donnerstag. Bleiben Sie gesund oder werden es ganz schnell wieder! 

Das Corona-Dossier

Die wichtigsten Branchen-Nachrichten zur Corona-Krise haben wir hier für Sie in einem Dossier zusammengestellt. Das Coronavirus setzt der Wirtschaft weltweit zu und macht weder vor Länder- noch vor Branchengrenzen halt. Deshalb bündeln die Top-Titel der dfv Mediengruppe, zu der auch afz - allgemeine fleischer zeitung, „Fleischwirtschaft“ und fleischwirtschaft.de gehören, fortan die wichtigsten Berichte aus verschiedenen Branchen in einem „Corona-Dossier“ - von der Lebensmittelindustrie über Gastronomie und Hotellerie bis Touristik, von Agrarwirtschaft und Fleischwirtschaft über Verpackung und Finanzen bis hin zu Marketing und Fashion. Hier geht es weiter.

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