Kommentar von
Sabrina Meyer

Corona-Krise Pack die Badehose ein

Donnerstag, 28. Mai 2020
In Zeiten der Corona-Pandemie kann und darf es kein „weiter so“ geben.

Ganz ohne Frage ist, dass eine Zeit wie diese nicht spurlos an der (Fleisch)Welt vorübergehen kann. Dennoch ist offenkundig, dass sich zahlreiche Unternehmen wünschen, „danach“ einfach wie vor der Krise weitermachen zu können. Viele Themen pausieren, viele Fragestellungen sind eingeteilt in vor und nach Corona.

Doch die Auseinandersetzung damit, wie es „danach“ aussehen soll, wird einen entscheidenden (Wettbewerbs)Vorsprung sichern. In der Krise offenbaren sich bekanntermaßen Schwächen – aber auch Stärken. Schon Warren Buffet, ein US-amerikanischer Großinvestor, wusste: „Man sieht erst, wenn die Ebbe kommt, wer die ganze Zeit über ohne Badehose geschwommen ist.“ Es ist Zeit, sprichwörtlich die Hose runterzulassen.

Ausgerechnet die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen sind einmal mehr zu einem Brennpunkt der Krise geworden. Zunächst traf es die amerikanischen Schlachtunternehmen. Einige Standorte wurden vorübergehend geschlossen, da zu viele Mitarbeiter positiv getestet wurden und Isolation nicht möglich war.

Tyson Foods, einer der größten Verarbeiter der Vereinigten Staaten, schaltete Anzeigen in auflagenstarken Tageszeitungen und warnte vor möglichen Lieferengpässen. Kurz vor Redaktionsschluss dieser „Fleischwirtschaft“ wird deutlich, weltweit sind immer mehr Verarbeitungszentren betroffen.

Auch in Deutschland kommt es zu Problemen. Am Schlachtband ist es bei aller Umsicht schwierig, den nötigen Abstand zu halten und auch in den Unterkünften sind die Vorsichtsmaßnahmen nicht einfach umzusetzen. Die industrielle Fleischwelt ist eben nicht vergleichbar mit der elitären Autowelt. 

Angela Merkel - BU Bundestag Aktuelle Stunde Fleischindustrie
(Bild: imago images / Eibner)

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Als systemrelevante Betriebe können die Schlachtbetriebe ihre Produktion nicht einfach stoppen. So ist in Deutschland auch nicht mit Versorgungsengpässen zu rechnen und die Landwirte brauchen nicht zu befürchten, ihre Tiere notschlachten lassen zu müssen.Vielmehr zeigt sich ein anderes Problem der Pandemie: Statt mit Versorgungsengpässen zu kämpfen, gibt es Werteengpässe. Ausgerechnet Rindfleisch leidet unter einem Preisverfall. Die teuren Teilstücke können kaum auf dem Markt abgesetzt werden, die Verbraucher greifen in Zeiten der Krise lieber zu Hackfleisch.

Nach der Krise muss es gelingen, qualitativ hochwertige Lebensmittel nicht zu verschleudern. Der deutsche Markt ist bekannt für Qualität, und über die gilt es sich zu profilieren. Im globalen Vergleich kann Deutschland mit Masse sowieso nicht punkten, auch Chinas Nachfrage wird sich wieder normalisieren. Qualität ist das, was sich in Zukunft verkauft.

Globalisierung stand bisher für „immer mehr“. Doch das kann nicht der Zukunftsweg sein. Die Welt befindet sich momentan in Schockstarre. Zuvor heißdiskutierte Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit sind in den Hintergrund gedrängt worden – nehmen aber sicher nach Corona wieder volle Fahrt auf. In jeder Krise liegt eine Chance, das muss zum Umdenken anregen. Jetzt ist die Zeit, neue Wege zu gehen – jetzt ist die Zeit, um die Badehose für die nächste Ebbe einzupacken.

Das Corona-Dossier

Die wichtigsten Branchen-Nachrichten zur Corona-Krise haben wir hier für Sie in einem Dossier zusammengestellt. Das Coronavirus setzt der Wirtschaft weltweit zu und macht weder vor Länder- noch vor Branchengrenzen halt. Deshalb bündeln die Top-Titel der dfv Mediengruppe, zu der auch afz - allgemeine fleischer zeitung, „Fleischwirtschaft“ und fleischwirtschaft.de gehören, fortan die wichtigsten Berichte aus verschiedenen Branchen in einem „Corona-Dossier“ - von der Lebensmittelindustrie über Gastronomie und Hotellerie bis Touristik, von Agrarwirtschaft und Fleischwirtschaft über Verpackung und Finanzen bis hin zu Marketing und Fashion. Hier geht es weiter.

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