Kommentar von
Jörg Schiffeler

Coronavirus Ostern beschert uns Zeit zum Nachdenken

Dienstag, 07. April 2020
Die Karwoche gehört mit zu den umsatzstärksten Zeiten in der Bundesrepublik. Diesmal ist allerdings alles anders, denn die Corona-Krise stellt so ziemlich alle gewohnten Tagesabläufe von Haushalten und Firmen, Verbänden, Behörden und Gesundheitswesen auf den Kopf.

Glücklich dürfen sich diejenigen schätzen, die – wie die Fleischereien – die Versorgung der Gesellschaft mit den Mitteln zum Leben sicherstellen. Die Beschäftigten im Lebensmittelhandwerk und in den Supermärkten kommen kaum zur Ruhe, denn die Kunden halten sie in Atem. Die Situation wird sich am Gründonnerstag und Karsamstag weiter zuspitzen.

Während die Kunden mit Sicherheit beim Einkauf auf eine Geduldsprobe gestellt werden, ist beim Personal ein kühler Kopf gefragt. Der Handelsverband appellierte aus gutem Grund an die Bevölkerung, die Ostereinkäufe vorausschauend zu planen, während einige Metzger noch auf eine Öffnung der Läden am Karfreitag setzten. Das ist nun vom Tisch. Der Staat kommt den „Versorgern“ allerdings entgegen und lässt längere Öffnungszeiten zu.
Wegekreuz Rinder
(Bild: imago images / Jochen Tack)

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Öffnungszeiten Karfreitag bleibt es ruhig

Zudem wurden die Wochenmärkte nicht verboten, trotz der teils chaotischen Kundenströme, die vielerorts zum Einsatz von Sicherheitsdiensten führten. Die Marktmetzger reagieren besonnen auf das Reglement des Abstandsgebots sowie der Hygieneregeln. Auch wenn es den Unternehmern schwerfällt: Gönnen Sie Ihren Teams eine kurze Verschnaufpause, damit die Beschäftigten anschließend wieder kraftvoll zupacken können.
Eisele - Marktmetzger
(Bild: Eisele)

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Geduld ist im Kampf um die Ausbreitung des Coronavirus eine gefragte Tugend. Dass die Wirtschaft nach einer Lockerung von Einschränkungen im öffentlichen Leben ruft, ist verständlich. Die durch die Regierenden verordneten Einschnitte sind schmerzhaft. Der gewünschte Erfolg dieser Maßnahmen sollte nun nicht gefährdet werden. Es wäre schließlich fatal, wenn die Wirkung des „Shutdowns“ durch vorschnelle Erleichterungen verfehlt würde.

Richtig und nachvollziehbar hingegen sind Forderungen nach einer geordneten Wiederaufnahme des Wirtschaftsbetriebs in Deutschland. Produktionsunternehmen und Dienstleister wie Bildungseinrichtungen benötigen einen Fahrplan. Galt es vor Wochen, schnell und mitunter über Nacht zu handeln und Anordnungen zu postulieren, müssen die Schalter an einigen Stellen nun mit Bedacht wieder umgelegt werden. Vermutlich werden spätestens nach Ostern erste Pläne durch das Bundeskabinett bekannt werden.

Das trifft Fleischwirtschaft, Fleischwarenindustrie und Fleischerhandwerk kaum, werden Sie vermutlich denken, weil Ihre Betriebe am Netz sind. Die kleine Zäsur, die das Osterfest beschert, könnte zum Nachdenken genutzt werden. Mir fallen dazu beispielsweise Beschaffungsthemen ein. Ist die in den letzten Jahrzehnten bis zur Perfektion gebrachte „just-in-time“-Lagerhaltung die Methode der Wahl?

Was sind uns Desinfektionsmittel, Einmalartikel wie Hauben, Mundschutz und Handschuhe sowie Textilien wert? Ich möchte das nicht als Plädoyer für die Re-Nationalisierung der Produktion verstanden wissen. Aber, wenn – wie in der gegenwärtigen Situation – in kürzester Zeit die Persönlichkeitsrechte so unvorstellbar stark beschnitten werden können, muss es doch auch möglich sein, einen Preis für etwas festzulegen, was für die Systemrelevanz in diesem Land von größter Bedeutung ist.

So werden hierzulande erst wieder Schutzmasken produziert, wenn das auch wirtschaftlich darstellbar ist. Darüber wurde bisher nicht diskutiert. Wir haben gerade die Erfahrung gemacht, dass das Coronavirus die globalen Lieferketten sprengt. Vielleicht schärft die Krise wieder den Blick für die vorhandenen regionalen und lokalen Wertschöpfungsketten. Diese Hoffnung äußerte meine Kollegin Sandra Sieler an dieser Stelle vor vier Wochen.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund. Redaktion und Verlag wünschen Ihnen frohe Ostern.
Wochenmarkt - Metzger Neun
(Bild: jr)

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Das Corona-Dossier

Die wichtigsten Branchen-Nachrichten zur Corona-Krise haben wir hier für Sie in einem Dossier zusammengestellt. Das Coronavirus setzt der Wirtschaft weltweit zu und macht weder vor Länder- noch vor Branchengrenzen halt. Deshalb bündeln die Top-Titel der dfv Mediengruppe, zu der auch afz - allgemeine fleischer zeitung, „Fleischwirtschaft“ und fleischwirtschaft.de gehören, fortan die wichtigsten Berichte aus verschiedenen Branchen in einem „Corona-Dossier“ - von der Lebensmittelindustrie über Gastronomie und Hotellerie bis Touristik, von Agrarwirtschaft und Fleischwirtschaft über Verpackung und Finanzen bis hin zu Marketing und Fashion. Hier geht es weiter.
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