Kommentar von
Michael Weisenfels

Der Fleischwirtschaft-Kommentar Tierschutz ist ein hohes Gut

Freitag, 12. Oktober 2018
Rituelles Schlachten und Bio-Siegel auf Konfrontationskurs.
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EuGH Tierschutz


Die Nachfrage nach Halal-Produkten steigt auf den internationalen Fleischmärkten stetig an, wobei China, Russland und Mexiko in jüngster Zeit ein starkes Interesse an Zertifizierungen und Exportmöglichkeiten zeigen. Auch in Europa gewinnt dieses ethnische Angebot im Zeitalter von Multikulti an Marktbedeutung. Beispielsweise sind in Frankreich und Großbritannien Lebensmittelhändler natürlich nicht verpflichtet, Hala-Lebensmittel anzubieten. Viele befürchten aber, als rassistisch gebrandmarkt zu werden, wenn sie dieses Sortiment ausschließen.

In Deutschland stellt sich die öffentliche Wahrnehmung entgegengesetzt dar und so öffnen sich die Supermärkte nur zögerlich. Sie werben nicht mit Halal-Logos, selbst wenn die Lebensmittel den islamischen Vorschriften entsprechen. Diese stammen aus Produktionsbetrieben, die wegen ihres Exportgeschäfts auf die Halal-Zertifizierung wert legen. So auch der Nestle-Konzern, der seit den 80er Jahren Halal-Versionen von Smarties, Maggi-Suppen und Nescafé führt.

Halal ist auf dem Weg, ein kommerzieller Begriff zu werden. Da ist es verständlich, dass die aktuelle Stellungnahme des Generalanwalts des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aufhorchen lässt. Er geht davon aus, das auch Fleisch von geschächteten Tieren ohne Betäubung das Bio-Siegel erhalten kann. Schließlich sind die Vorschriften, was alles überhaupt als Halal bezeichnet wird, europaweit nicht einheitlich geregelt.

So ist zum Beispiel die Schlachtung ohne Betäubung in Deutschland verboten, während es in Frankreich prinzipiell erlaubt ist, Tiere auch ohne Betäubung zu schlachten. Die Klage führenden französischen Tierschützer sehen das anders. Aber bereits vor sechs Jahren waren sie beim zuständigen Ministerium mit ihrem Anliegen, kein Bio-Siegel für Halal-Fleisch, gescheitert. Ob sich Halal und Bio ausschließen machen die Anwälte von den Erwartungen an das Bio-Siegel abhängig: Sind Fleisch und Wurst, nur weil sie bio sind, von glücklichen Tieren? Richtig ist, dass die Kriterien des Bio-Siegels die Schlachtung ohne Betäubung nicht verbietet. Verlangt wird lediglich, dass das Leiden bei der Schlachtung so gering wie möglich zu halten ist.

Die Tierschutzbestimmungen sind da konkreter. Bereits Anfang dieses Jahres stellte der EuGH fest, dass rituelle Schlachtungen nur in zugelassenen Schlachthöfen durchgeführt werden dürfen. Das Gericht sah die Religionsfreiheit nicht gefährdet, da sie nur darauf abziele, die Freiheit der rituellen Schlachtung unter Berücksichtigung der grundlegenden Regeln des Tierschutzes und der Gesundheit der Fleischverbraucher zu organisieren und zu verwalten.

Die Rechtsprechung macht den sehr hohen Stellenwert des Tierschutzes in Europa deutlich. Dabei stehen diesem ethischen Anspruch die ursprünglichen Ideen ritueller Schlachtmethoden nicht entgegen. Die Wächter des EU-Bio-Siegels wären gut beraten, ihren Kriterienkatalog im Bereich Schlachtung entsprechend zu konkretisieren, um das Schächten ohne Betäubung nicht durch die Hintertür salonfähig zu machen.

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