Kommentar von
Jörg Schiffeler

Deutscher Fleisch Kongress Wer Imagewandel wirklich will, muss aus Überzeugung handeln

Dienstag, 28. November 2017
Wo geht die Reise hin? Dieser Frage gingen in der vergangenen Woche die rund 350 Teilnehmer des Deutschen Fleisch Kongresses nach. Sie wird aber ebenso in den Selbstorganisationen des Fleischerhandwerks aufgeworfen: ob in Berlin, Brandenburg, Koblenz oder Ludwigshafen, Düsseldorf und Solingen.

Auf die einfach klingende Frage gibt es keine verlässliche Antwort. Auch wenn die Märkte vieles regeln – etwa Angebot und Nachfrage –, so geben doch in erster Linie Kunden Informationen zu ihren Bedürfnissen und Wünschen ab. Insofern hat mich persönlich der Themenblock „Meet the next Generation“ unserer Branchenveranstaltung begeistert. Zwischen Ernährungstrends, innovativer Markenkommunikation und Social Media waren es doch „die jungen Wilden“, die das Auditorium in den Bann zogen.

Grillido, SuperMeatBoy und The Butcher’s Daughter liegen Tierwohl und mehr Wertschöpfung des Rohstoffs Fleischs ebenso am Herzen wie den großen Umsatzmilliardären. Die Start-ups lassen sich jedoch viel weniger von einer gesellschaftspolitischen Debatte leiten, als viel mehr von der eigenen Überzeugung von dem, was wichtig werden wird. Der Spirit der persönlichen Mission und dem Glauben an die Zukunft der Branche mit Fleisch und Wurst bleiben den Kongressbesuchern hoffentlich nachhaltig in Erinnerung.

Wie wirkt es da auf die jungen Talente, wenn die erfahrenen Experten immer wieder über Tierwohl, Nutztierstrategie, Ferkelkastration, Ebermast und Konsolidierung sowie Image des Fleischsektors sprechen? Aus der Perspektive der nachrückenden Generation wirft das kein gutes Licht auf die Branche. Der Nachwuchs empfindet es teils so, dass die Herausforderungen nicht angenommen und gelöst werden. Wie sonst ist es erklärbar, dass in Frankfurt so viel über „Themen mit Skandalisierungspotenzial“ gesprochen wurde? Hier sind Lösungen aus Überzeugung gefragt. Vielleicht sind diese gar nicht so schwer zu finden, wenn sich Erzeuger, Industrie, Handwerk und Handel nicht durch „Promilletypen“ verunsichern lassen, wie es der BVE-Vorsitzende Dr. Wolfgang Ingold auf den Punkt brachte.

Die Marktforschung wird weiterhin auf Konsumenten treffen, die bereit sind, für dies oder das tiefer in die Tasche zu greifen. In Wahrheit stimmen die Kunden an der Kasse ab – im Discounter wie im Fachgeschäft oder im Onlineshop. Der junge Fleischermeister Philipp Büning, den wir im April diesen Jahres mit dem Förderpreis der Fleischwirtschaft ausgezeichnet haben, geht es sehr pragmatisch an: Er schaut seinen Kunden nicht nur tagtäglich in seinem Fachgeschäft in die Augen, er spitzt aber obendrein die Ohren. Der Meister aus Münster stellt sich immer wieder aufs Neue die Frage: „Was fordert der Kunde?“

Konsumforscher Helmut Hübsch von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hält es da ähnlich, in dem er die Einkaufszettel des Haushaltspanels genau auswertet. Und er hat eine erfreuliche Kernbotschaft für die Fleischbranche: 96 Prozent der Haushalte in Deutschland kaufen Fleisch und fast alle Wurst. Diese Werte sind fast so stabil wie Edelstahl.

Kochschinken
(Bild: Pixabay)

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Natürlich sind nicht alle Gründerideen für den Massenmarkt geeignet. Doch immer gibt es zahlreiche Nischen, die genügend Raum für eine Kundengruppe bieten. Das können gerade Handwerksbetriebe nutzen, indem sie noch viel genauer analysieren, was Kunden begeistert. Die Kombination von Genuss und Wellness liegt gerade im Trend, ebenso wie einfach handhabbare, vorgegarte Produkte.

Dabei kann die Vermarktung profitieren, wenn die Verbraucher ohne Reue genießen können. Und die beginnt bei der Haltung von Rind, Schwein und Geflügel und endet bei den Arbeitsbedingungen derjenigen, die in den Fleischerberufen tagtäglich Produkte aus wertvollen Grundstoffen herstellen. 

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