Kommentar von
Arne Löffel

Einkaufswelten Individueller Service muss auch schnell und modern sein

Dienstag, 19. November 2019
Es ist traurig, aber wahr: Die deutschen Kunden werden immer bequemer. Kein Wunder, werden sie doch von den Betreibern der digitalen Marktplätze wie Amazon und Lieferando geradezu dahin erzogen, für die Beschaffung von Konsumgütern und Nahrungsmitteln nur noch im absoluten Notfall die heimische Couch zu verlassen.

Dieses antrainierte Verhalten bekommen nun immer mehr auch die Handwerksbetriebe zu spüren, die sich mit ihren individuellen und stationären Angeboten im direkten Wettbewerb mit dem Onlinehandel, aber auch mit den Vollsortimentern auf der Grünen Wiese befinden. Denn wenn König Kunde seine von Netflix und Spotify umfassend bespielte Trutzburg verlässt, um die leidigen Einkäufe zu erledigen, dann bitte mit möglichst wenigen Anlaufstellen. Oder wie der Claim einer bekannten, aber mittlerweile erfolglosen Supermarktkette einst suggerierte: „Einmal hin, alles drin.“ Dementsprechend boomt es an den Bedientheken der Vollsortimenter, wie GfK-Experte Helmut Hübsch auf dem derzeit in Wiesbaden stattfindenden Deutschen Fleisch Kongress feststellte.

DFK 2019 - Auftakt GfK
(Bild: Thomas Fedra)

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Die Analyse der bisherigen Verkaufszahlen des Jahres 2019 haben laut Hübsch auch ergeben, dass infolge dieser Tendenz zur Bequemlichkeit die Discounter und die Handwerksmetzger das Nachsehen haben. Immer mehr Kunden scheuen offensichtlich den Umweg zum traditionellen Fleischer im Ort, zumal durch die Konsolidierung im Markt die Versorgungsdichte mit Fleischereien auch immer weiter zurückgeht – und daher der Umweg zum Metzger immer weiter wird. Und diesen Weg gehen hauptsächlich diejenigen, die sich zumindest eine Winzigkeit mehr Gedanken über ihre Ernährung machen, als die „Einmal hin, alles drin“-Kunden. Denn bei aller Liebe zum Vollsortimenter und allem Verständnis für jede Familienmanagerin am zeitlichen und nervlichen Limit: Mit der handwerklichen Qualität eines Metzgers, mit der Liebe zum Detail und der sorgfältigsten Auswahl der präsentierten Waren kann nun mal kein Supermarkt mithalten. Und das ist auch gut so.
„Das Bewusstsein der Kunden über die hohe Qualität des handwerklichen Metzgers ist wohlgemerkt vorhanden. Es geht nur im alltäglichen Trubel unter und wird von der Kultur der Bequemlichkeit aufgefressen. Daher gilt es, den Gang zum Metzger noch mehr an die sich verändernden Bedürfnisse der Kunden anzupassen.“
Arne Löffel, Chef vom Dienst
Das Bewusstsein der Kunden über die hohe Qualität des handwerklichen Metzgers ist wohlgemerkt vorhanden. Es geht nur im alltäglichen Trubel unter und wird von der Kultur der Bequemlichkeit aufgefressen. Dass dieses Bewusstsein noch vorhanden ist, zeigt sich allein daran, dass die Männer – wenn sie denn mal sonntags für die Familie kochen – durchaus durch die halbe Stadt fahren, um das beste Stück Fleisch und dann beim Gemüsehändler den besten Basilikum zu besorgen. Nur im Alltag spielt das eine untergeordnete Rolle.

Daher gilt es, den Gang zum Metzger noch mehr an die sich verändernden Bedürfnisse der Kunden anzupassen und mit der von Online-Angeboten geprägten Realität zu verbinden. Zum Beispiel mit Online-Systemen, bei denen der Kunde bestellen und gleich bezahlen kann. Dann müsste er nur noch in der Metzgerei vorbei kommen und die bereits vorbereitete Ware in Empfang nehmen. Das wäre ein echter Vorteil gegenüber den Bedientheken der Vollsortimenter. Denn wer schon einmal im Supermarkt einer mehr oder minder gut geschulten Bedienung dabei zugesehen hat, wie sie im Schneckentempo zwischen Käse- und Wurstauslage hin und her mäandert, der weiß den kompetenten und schnellen Service in der Metzgerei zu schätzen.

Darüber hinaus wäre es auch aus ökologischen Gesichtspunkten wünschenswert, dass sich die Kunden wieder mehr dem individuellen Service des Handwerks zuwenden. Gerade wurde vermeldet, dass Deutschland seinen eigenen Rekord beim Produzieren von Verpackungsmüll gebrochen hat – und das noch bei einer hundsmiserablen Recyclingquote. Grund hierfür ist auch die zunehmende Zahl der Single-Haushalte in Deutschland mit dem Bedarf an kleineren Portionen und daher mehr Verpackung. Kleine Portionen – die gibt‘s an der Metzgertheke. Man muss sich nur auf den Weg machen.

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