Kommentar von
Jörg Schiffeler

Fleischer-Verbandstag Der neue Zeitgeist erfordert kluge und klare Antworten

Dienstag, 15. Oktober 2019
Die Fleischer müssen Antworten auf die Themen von morgen finden.

In den Zeiten der Bewegung Fridays-for-Future gilt es, sich zu positionieren. Schließlich soll auch die Generation Greta künftig zu den potenziellen Kunden der Fleischer-Fachgeschäfte gehören. Ebenso muss sich das Fleischerhandwerk auf mögliche neue politische Konstellationen im Deutschen Bundestag einstellen – das gilt für den Einzelbetrieb ebenso wie für die Innung und den Bundesverband.

Genau das hat Deutschlands oberster Fleischer, Herbert Dohrmann, erkannt. Mit ihm kam 2016 ein Präsident an die Spitze des Deutschen Fleischer-Verbands, der seinen Kollegen im ganzen Land eine starke Stimme gibt, nach Perspektiven und Zukunftschancen sucht. Davon profitieren auch die zahlreichen Nicht-Mitglieder. Denn die politische Debatte um Klimaziele, Fußabdrücke und Treibhausgase sowie um eine gesunde Ernährung, fleischfreie Alternativen oder auch eine gesellschaftlich akzeptierte Nutztierhaltung geht ausnahmslos alle an. 

Zur Jahrestagung der Metzger am vergangenen Wochenende forderte der Hanseat aus Bremen, anstehende Fragen dringend zu klären. In München versammelten sich knapp 400 Delegierte, Gäste und Freunde des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) aus der ganzen Republik sowie aus dem benachbarten Ausland. Es müsse eine Antwort gefunden werden, wie das Fleischerhandwerk in zehn bis 15 Jahren aussehen werde, so Dohrmann. Das ist verantwortungsvoll, denn mit einer alternden Gesellschaft wird sich die Struktur und die Anzahl der Kunden verändern – und damit auch die Erwartungen an die Unternehmen.

DFV-Tag München MV
(Bild: jus)

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Mit dem Leitbild hat das Fleischerhandwerk vor vielen Jahren in einem aufwendigen Prozess seinen Kompass ausgerichtet und das Selbstverständnis seiner Branche zu Papier gebracht. Es bietet heute noch eine gute Grundlage für die Fragen der Zeit. Aber, es muss weiterentwickelt werden. Handwerker arbeiten seit jeher nachhaltig.

Der Einkauf des wertvollen Rohstoffs Fleisch beim benachbarten Landwirt ist für viele Betriebe eine Selbstverständlichkeit ebenso wie die Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung im eigenen Betrieb. Das Alltägliche in marketingreife Sprüche zu fassen, das ist allerdings nicht des Metzgers Profession. Er zerlegt lieber Teilstücke in edle Zuschnitte oder steht in der Wurstküche.

Jetzt gilt es jedoch, dieses Juwel an regionaler Wertschöpfung zu sichern. Dafür müssen der Meister, die Chefin und das komplette Team einerseits die Kunden begeistern und andererseits bei allen gesellschaftlichen Kreisen Aufklärungsarbeit leisten. Dazu gehört es auch, sich in Debatten einzuschalten.

Breite Gesellschaftskreise diskutieren heftig über Tierwohl, Fleischkonsum und schlechte Arbeitsbedingungen im Fleischsektor. Damit geraten bestehende Schlachtstätten unter Druck und selbst regionale Schlachter klagen über fehlende Ausbaugenehmigungen. Die Fleischer müssen sich also engagieren, damit die Versorgung mit ihrem wertvollsten Rohstoff nicht ins Stocken gerät.

Wer jetzt daran denkt, die Schlachtung im eigenen Betrieb wieder aufzunehmen, wird sich wundern. Denn auch dafür werden behördliche Genehmigungen benötigt. Und die sind nicht selbstverständlich. Dabei interessiert den Amtsschimmel nicht nur Abwasser, Abscheider und die Einhaltung der Tierschutz-Schlachtverordnung und vieles mehr. Nein, auch Gutachten zur Lärmbelästigung bei der Anlieferung und zur Geruchsentwicklung werden mancherorts gefordert.

Was sagt uns das? Die Metzgermeister müssen noch enger zusammenstehen. Die Geschlossenheit darf sich nicht auf Verbandstagungen und Mitgliederversammlungen beschränken. Der Deutsche Fleischer-Verband ist dann erfolgreich auf dem politischen Parkett in Berlin und Brüssel, wenn er mit einer starken Stimme sprechen kann. Genau diese Eigenschaft wird die Interessenvertretung künftig noch viel mehr benötigen als bisher.

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