Kommentar von
Jörg Schiffeler

Fleischfreie Alternativen Beyond Meat ist nur ein Hype

Dienstag, 04. Juni 2019
Während in der vergangenen Woche Wissenschaftler, Praktiker und in erster Reihe Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Berlin den virtuellen Stall der Zukunft präsentierten, drehte sich die Gesellschaftspolitik um ganz andere Themen. Beispielsweise um die Folgen manipulativer Argumentation sowie das Interpretieren von Fakten im Nachgang der Europawahl. Es verging kaum ein Tag, an dem die einstmals großen Parteien einräumten, nicht genug über ihre Beiträge und Ideen zum Klimaschutz informiert zu haben.

Im Netz weckten längst andere Themen ein riesiges Interesse: Gehypt werden Pflanzenburger und eine Beleidigung an der Fleischtheke eines Supermarkts. Die rasche Verbreitung der Nachrichten über Social-Media-Kanäle schafft für Radio- und TV-Sender sowie Tageszeitungen eine ebenfalls hohe Relevanz, der auch wir nicht widerstehen können. Worum geht es?

Christian Werner, Betreiber eines Edeka-Markts, stellte sich vor seine Mitarbeiterin, die von einer jungen Mutter beleidigt wurde. Die Kundin drohte ihrem Kind: „Wenn Du weiterhin nichts für die Schule lernst, dann stehst Du auch mal dort hinten.“ Das ließ ihr der Supermarkt-Chef nicht ohne Weiteres durchgehen: Er schoss via Facebook mit emotional starken Antworten zurück. Tenor: Nicht jede x-beliebige Person kann Fleisch und Wurst verkaufen. Voraussetzungen dafür sind ein Schulabschluss und eine qualifizierte Ausbildung. Parallel dazu appellierte der Edeka-Kaufmann, dass jeder Mensch Respekt verdient hat. Chapeau.

Vizepräsident Michael Durst vom Deutschen Fleischer-Verband weiß um das Image der Fleischerberufe in der Öffentlichkeit und fordert nebenan in seinem Standpunkt mehr Wertschätzung für das Fachpersonal, das allen Grund hat, stolz auf seinen Beruf zu sein.

DFV - Michael Durst - 2019
(Bild: DFV)

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Und da war noch etwas: Was haben Metro, Get now, Gourmetfleisch, Lidl, PHW und Zandbergen gemeinsam? Diese Unternehmen setzen auf eine fleischfreie Alternative aus dem Hause „Beyond“. Gut, dass Burger gerade im Trend liegen und Bratwürste überdies zu den beliebtesten Klassikern auf den hiesigen Grillrosten gehören. Meldungen über den Patty aus Erbsenprotein überschlagen sich im Web. Keiner will hier etwas verpassen. Ist das viel Lärm um nichts? Oder ein Hype, der schnell vorüberzieht und vom nächsten Trend abgelöst wird?

Fest steht, dass sich das Veggie-Karussell richtig aufschaukelt. Der Ballon steigt in schwindelerregende Höhen wie die Aktie von Beyond Meat. Das Wertpapier legte in den vergangenen zwölf Monaten eine ordentliche Performance hin – von 46 Euro auf 97 Euro. Die Aktie startete einst mit umgerechnet knapp 23 Euro. Zu Redaktionsschluss steht der Kurs bei 88,19 Euro.

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank notiert zum gleichen Zeitpunkt magere 6,11 Euro. Mit Spannung erwarten wir den Quartalsbericht. Er soll am Donnerstag dieser Woche veröffentlicht werden. Warum? Die Tageszeitung „Die Welt“ frotzelt über „Lidls missglücktes Burger-Debut“, weil die Ware beim Discounter schnell ausverkauft war. Der Westdeutsche Rundfunk sucht eine Antwort auf die Frage „Kann Fleischersatz die Welt retten“, und wir würden gern mehr über die Mengen erfahren, die überhaupt produziert werden.
„Fleischfreie Alternativen – egal ob veggie oder vegan – sind Nischenprodukte. Wie die große Mehrheit tickt, ist dagegen auf jedem Wochenmarkt und Straßenfest bestens zu beobachten.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Der vermutlich meistgehypte Burger der Welt bekommt eine Schwester, die Beyond Sausage. Beide Produkte sind zwar nicht preiswert, aber hip. Gourmetfleisch verlangt für beide Erzeugnisse 43,40 je Kilo. Wie groß ist der Kuchen? Fleischfreie Alternativen – egal ob veggie oder vegan – sind Nischenprodukte. Wer leistet sich diese? Bei Lidl hat man sich vermutlich bei der Listung verschätzt, weil die Einkäufer die Neugierde ihrer Kunden unterschätzt haben. Das führt zu der Frage, wie groß ist das Interesse am Fleisch-Imitat?

Wie die große Mehrheit tickt, ist dagegen auf jedem Wochenmarkt und Straßenfest bestens zu beobachten.

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