Kommentar von
Sandra Sieler

Fleischkonsum Neue Chancen für vertraute Werte

Dienstag, 17. November 2015
Veggie ist zurzeit in aller Munde. Mit dem vegetarischen Schinkenspicker und den Schnitzeln von Rügenwalder hat das Segment der fleischfreien Alternativen einen ganz neuen Stellenwert bekommen: im Ladenregal ebenso wie als Gesprächsstoff.

Das zeigte sich auch im vergangenen Monat bei der Anuga in Köln: Kaum ein Hersteller von Fleisch oder Wurst kam ohne eine vegetarische Variante zur weltgrößten Ernährungsmesse an den Rhein.

Da blickt die Branche natürlich gespannt auf die aktuellen Konsumdaten: Passiert da was? Greifen die Verbraucher tatsächlich mehr zur veganen Wurst statt zum klassischen Lyoner oder der Bratwurst? In dem Punkt gab GfK-Konsumforscher Helmut Hübsch beim Deutschen Fleisch Kongress in Frankfurt am Main Entwarnung.

Die Einkaufsdaten des laufenden Jahres zeigen bislang keinerlei Zurückhaltung bei Fleisch und Fleischwaren. 98,5 Prozent aller Haushalte kaufen nach wie vor Wurst ein. Trotz der gefühlten Veggie-Welle werden wir also nicht gleich zum Volk der Vegetarier. Es sind gleichbleibend vier Prozent aller Haushalte, die sagen, dass ein Vegetarier in ihrer Gemeinschaft lebt.

Welcher Bereich den Beobachtungen der GfK zufolge aber tatsächlich wächst, ist der der so genannten Flexitarier, oder wie Hübsch sie nannte: Fleischreduzierer. Doch selbst sie sind für die Handwerksfleischer kein Grund zur Sorge. Wer seinen Fleischkonsum einschränkt, tut das aus einem bestimmten Grund. Dieser kann gesundheitlicher Natur sein, kann mit den Haltungsbedingungen unserer Nutztiere zusammenhängen, kann auf dem Gedanken „weniger, aber dafür besser“ beruhen. Auf all diese Fragestellungen und Ansprüche hat das Fachgeschäft eine plausible Antwort. Der steigende Anspruch an Qualität und Herkunft spielt den Metzgern ja sogar in die Hände.

Was sich den Konsumforschern zufolge merklich ändert, ist zugleich das Kochverhalten und die Art, wie und wo wir unsere Mahlzeiten zu uns nehmen. Verbunden mit der wachsenden Zahl an Single- und Zwei-Personen-Haushalten geht das tägliche Kochen zu Hause spürbar zurück.

Hinzu kommt eine wachsende Zeitknappheit, so dass immer öfter unterwegs und auch mal alleine gegessen wird. Darauf fußt das boomende Angebot der Außer-Haus-Verpflegung, das mit dem zurzeit so angesagten Streetfood und den Foodtrucks noch eine neue Spielart hinzubekommen hat. Hier sind es oft genug typische Metzgerprodukte, die an einem aufgemöbelten und auf Retro getrimmten Truck als moderner Klassiker verkauft werden.

Andere Anbieter positionieren sich als Alternative zu den großen Fastfood-Ketten, aber gezielt mit Erzeugnissen aus der Region. Schließlich dienen bei beiden Beispielen Produkte und Kenntnisse als Basis, die zu den Kernkompetenzen der Fleischer gehören.

Die zunehmende „Kochlegasthenie“ wiederum, die sich aber vor dem Hintergrund des wachsenden Interesses an Herkunft und Genuss entwickelt, bietet für das Fachgeschäft die Gelegenheit, sich als helfende Hand zu positionieren. Küchenfertige Gerichte bieten Erleichterung und Zeitersparnis beim Kochen, bauen Hemmschwellen ab. Hinweise zur Zubereitung und zur gesunden Ernährung erleichtern manchem Hobbykoch vielleicht die Kaufentscheidung.

Ob Veggiewurst oder Kochverdruss, ob Foodtruck oder Better Burger – jeder dieser Trends eröffnet den Handwerksmetzgern schöne Chancen, sich ihren Teil am Umsatzkuchen zu sichern. Die Geschäfte sollten sie nicht anderen überlassen.

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