Kommentar von
Jörg Schiffeler

Globale Märkte Die Zukunft liegt in der Zusammenarbeit

Dienstag, 07. Mai 2019
Während rund um den Globus viele Staaten ihre Märkte immer weiter abschotten, sendet die IFFA als Weltleitmesse für die Fleischwirtschaft ganz andere Signale.

In Frankfurt am Main ist auf Schritt und Tritt erlebbar, welche wirtschaftlichen Vorteile sowohl das Zusammenrücken als auch gemeinsames Handeln bringt. Handelskonflikte zwischen Großmächten und der Schlagabtausch via Twitter sind keine Antworten auf die Fragen und Herausforderungen der Zeit. Neue und höhere Zölle behindern den Warenaustausch und gefährden den Wohlstand, der in vielen Erdteilen erarbeitet wurde.

In den Hallen der Frankfurter Messe herrscht seit vergangenem Samstag geschäftiges Treiben. Viele Anlagen- und Maschinenbauer, Gewürzspezialisten sowie weitere Lieferanten und Dienstleister der internationalen Fleischwirtschaft haben sich durch Zusammenschlüsse gestärkt – nicht selten über Grenzen hinweg. Ziel ist es dabei, Kunden ein noch besser passgenaues wie auch breiteres Angebot zu unterbreiten, um die hohen, teils sehr individuellen Bedürfnisse von Schlachthöfen, Zerlegebetrieben, Wurstfabriken und Metzgereien besser bedienen zu können.

Was in der Automobilwirtschaft gang und gäbe ist – die Arbeitsteilung einerseits und die Verwendung gemeinsamer Plattformen andererseits – lässt Kunden erst einmal aufschrecken. Allen voran Handwerker beobachten Fusionen im Maschinenbau kritisch, weil sie den Verlust eines Anbieters fürchten und damit Wettbewerb bei der Beschaffung von Ersatz- oder Neugeräten für Produktion, Küche und Verkaufsraum. Umgekehrt kann die Zusammenarbeit von Ausstattern, Dienstleistern und Rohstofflieferanten neue Kräfte bei der Produktentwicklung freisetzen und Innovationskosten überschaubar halten.

„Die Automatisierung und Digitalisierung gibt idealerweise Antworten auf die Herausforderungen Personalknappheit, Umweltschutz und Tierwohl sowohl in Handwerksbetrieben als auch in den Industrieunternehmen. “
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Auf der IFFA steht für die zahlreichen Aussteller die sichere, effiziente und wirtschaftliche Produktion von Fleisch und Fleischprodukten im Mittelpunkt. Optimal aufeinander abgestimmte Produktionsabläufe helfen Zeit, Ressourcen und Kosten zu sparen. Die Automatisierung und Digitalisierung gibt idealerweise Antworten auf die Herausforderungen Personalknappheit, Umweltschutz und Tierwohl in Handwerksbetrieben wie Industrieunternehmen. Das schaffen die Marktbeteiligten immer öfter nur in einem starken Verbund. Dieser ist die Eintrittkarte für das Bestehen am Weltmarkt, und genau das ist das Gegenteil von Abschottung.

Noch dazu ist der Fleischmarkt ein globales Geschäft. Wenn in Amerika oder Russland am Mobilee gezogen wird, hat das unmittelbare Auswirkungen am jeweils anderen Ende der Welt. Mal profitieren wir hierzulande davon, mal nicht. Zusammenarbeit schützt vor wirtschaftlichen Verwerfungen.
IFFA 2019 - Verpacken
(Bild: Messe Frankfurt / Petra Welzel)

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Messe Frankfurt IFFA sendet starke Impulse

Auch die Fleischer setzen starke Signale. Die Internationalen Qualitätswettbewerbe sind beliebt wie eh und je. Handwerkskollegen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den USA, Fernost und aus vielen Ländern mehr, sehnen sich geradezu nach der gegenseitigen Expertise. Neben dem Leistungsvergleich, bei dem es Urkunden, Medaillen und Pokale geradezu regnete, lernen die Nationen auch voneinander. Beispielsweise informiert der amerikanische Fleischerverband AAMP über die hierzulande beliebten US-Cuts.

Vor allem aber der Nachwuchs überzeugt in den Messehallen. Der Internationale Leistungswettbewerb der europäischen Fleischerjugend steht symbolhaft für die Werte Europas: der Austausch untereinander, voneinander lernen, gegenseitiger Respekt, Vielfalt und Freiheit. Es war ein Genuss, zu beobachten, wie die jungen Fleischerinnen und Fleischer, zusammenhalten. Sie haben das gleiche Ziel: die Flamme eines tollen Handwerks nicht nur am Lodern zu halten, sondern sogar noch befeuern, um potenzielle Mitstreiter für einen perspektivreichen Beruf mit vielen Chancen zu begeistern. Die jungen Talente wissen, dass sie zusammen mehr erreichen.

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