Kommentar von
Jörg Schiffeler

Halbjahresbilanz Die traditionelle Manufaktur steht hoch im Kurs

Dienstag, 25. August 2020
„Im Laden läuft es richtig gut. Gerade ist jeder Tag wie Weihnachten.“ Dieses Zitat eines Metzgermeisters steht stellvertretend für viele Fleischereien. Das ist die eine Seite der Medaille der Halbjahresbilanz für das Fleischerhandwerk. In Corona-Zeiten ist alles anders – auch das bringt der erste Satz zum Ausdruck.

Wie aber geht es weiter? Eines steht fest: das gefährliche Virus wird jeden Einzelnen, jede Familie und jedes Unternehmen weiter intensiv beschäftigen. Wie also umgehen mit einer Situation, deren Ende nicht absehbar ist? Hier haben es die Fleischer momentan leichter als andere Berufsgruppen, denn gegessen wird immer. Die Frage ist nur, wo die Kunden künftig einkaufen werden. Gegenwärtig reißt der Zuspruch nicht ab. Schlange stehen vor dem Laden und auf dem Wochenmarkt wird für eine ausgesuchte Qualität, die auf Rohstoffe aus der Region setzt, in Kauf genommen. Hier haben sich in den vergangenen Jahren viele fleischerhandwerkliche Betriebe engagiert, ihre Rohstoffbeschaffung überdacht, in die Theke investiert, um sich gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel zu profilieren. Das Engagement darf jetzt nicht nachlassen, damit auch morgen noch die Kassen klingeln.

„Die Geschäfte der Fleischer entwickeln sich in der Corona-Krise so unterschiedlich wie zwei Seiten einer Medaille.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Auf der Kehrseite der Medaille verharren derzeit die Unternehmen, die sich bisher auf ein starkes Cateringgeschäft und Partyservice konzentriert haben. Abgesagte Volksfeste und Familienfeiern sowie Fußballstadien ohne Besucher hinterlassen tiefe Einschnitte – auch im Fleischerhandwerk. Die durchschnittliche Anzahl an täglich ausgegebenen Mahlzeiten in den Betriebscasinos vieler Arbeitgeber liegt wegen Homeoffice und Kurzarbeit spürbar unter dem Vorjahr.

Die wieder stark steigenden Infektionszahlen sind ein begründeter Anlass zur Sorge. Die Meister müssen ihr Unternehmensmodell hinterfragen, die Angebots- und Produktpalette überprüfen, damit es nicht zu totalen wirtschaftlichen Verwerfungen kommt. Die Fleischer haben grundsätzlich gute Karten! Tierwohl, Regionalität und Frische statt anonymer Massenware stehen bei den Verbrauchern hoch im Kurs.

Die Analyse und Ergebnisse des afz-Barometers zur Geschäftsentwicklung im Fleischerhandwerk im ersten Halbjahr 2020 finden Sie hier.

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