Kommentar von
Michael Weisenfels

Interpack Akzeptanz durch Flexibilität

Donnerstag, 27. April 2017
Wird die Leitmesse Interpack 2017 das Megathema „Industrie 4.0“ weiter voranbringen?

Die Interpack 2017 steht unmittelbar vor der Tür. Besonders interessant für Fachbesucher ist die Messe dadurch, dass sie nicht branchenspezifisch ausgerichtet ist, sondern das Thema „Verpacken und Logistik“ völlig losgelöst von spartentypischen Üblichkeiten betrachtet.

Nach wie vor ist Hauptzweck jeder Verpackung, den Inhalt während Transport und Lagerung zu schützen. Verpackungen verhindern Verschmutzungen oder Beschädigungen und bewahren Nahrungsmittel vor schädlichen Umwelteinflüssen. Darüber hinaus müssen Verpackungen zahlreichen weiteren Ansprüchen zugleich gerecht werden: Marketing- und Vertriebswünschen, gesetzlichen Vorschriften und Verbraucheranforderungen. Dieses komplexe Anforderungspaket ist nur durch Maschinen mit nach dem letzten technischen Stand ausgerüsteter Antriebstechnik und modernen Materialien, die nachhaltig hergestellt und entsorgt werden können, abzuarbeiten.

Ein wichtiger Ansatz hierzu sind technische und organisatorische Lösungen, die unter dem Begriff „Industrie 4.0“ zusammengefasst werden. In der Sonderschau „components – special trade fair by interpack“ werden neben hochmoderner Antriebs-, Steuer- und Sensortechnik auch Produkte zur industriellen Bildverarbeitung, Handhabungstechnik, industrielle Software und Kommunikation sowie komplette Automatisierungssysteme für Verpackungsmaschinen vorgestellt. Diese modernen Anlagen sind in der Lage, nicht nur eigenständig Informationen zu Prozess- und Systemzuständen zu liefern, sondern untereinander zu kommunizieren und Prozessabläufe selbstständig zu korrigieren, wo es notwendig ist.

Fleisch verarbeitende Betriebe stehen unter hohem Kostendruck und müssen effizient, ressourcenschonend, flexibel und möglichst verlustfrei arbeiten. Somit wäre auf den ersten Blick der Industrie-4.0-Ansatz eine entgegenkommende Lösung. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass sich in den meisten Fällen in den Betrieben Industrie-4.0-Inseln gebildet haben, die schwerpunktmäßig im Verpackungs- und Logistikbereich angesiedelt sind. In diesen Bereichen sind weitgehend normierte Komponenten wie bestücke Paletten, Sammelkartons oder die für die Fleischbranche typischen E-2-Kisten zu behandeln.

Deutlich anders ist die Situation im Produktionsbereich, der weniger normiert ist, weil trotz aller Standards nach wie vor das Naturprodukt Fleisch in seiner Schwankungsbreite den Ton angibt. Saisonale Aufträge, unterschiedliche Chargengrößen sowie ein oft riesengroßes Produktspektrum machen es für die Produktion nicht einfach, wirtschaftlich zu arbeiten. Auch die bisherigen Werkzeuge, die der Industrie-4.0-Ansatz an die Hand gibt, scheinen sich an der täglichen Produktionshektik noch immer die Zähne auszubeißen, denn viele Unternehmen bevorzugen immer noch den IBM-Ansatz „immer besser manuell“ und realisieren Flexibilität durch menschliche Arbeit.

Wenn es den Technik-Anbietern auf der Basis der Erfahrungen aus anderen Branchen gelingt, die in der Fleischwarenindustrie erforderliche Flexibilität (Chargengröße 1) zu bringen, wird sich die „4. technische Revolution“ auch in der Fleischwarenproduktion niederschlagen und für eine verbesserte Datenbasis und Kosteneinsparungen sorgen.

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